Steiner, Siegfried (1883–1942), Rechtsanwalt und Zionist

Steiner Siegfried, Rechtsanwalt und Zionist. Geb. Preßburg, Ungarn (Bratislava, Slowakei), 24. 6. 1883; gest. 1942 (umgekommen); mos. Sohn von Hermann S. (s. d.). S. absolv. das Gymn. in Preßburg und stud. anschließend Rechtswiss. in Budapest (1907 Dr. jur.). Nach dem in Neumarkt (Târgu Mureş) abgelegten Advokatursexamen eröffnete er 1910 eine Anwaltskanzlei in Preßburg, die sich im selben Haus wie die väterl. Buchhandlung befand. Wie sein Vater und zwei seiner Brüder gehörte auch S. schon vor dem 1. Weltkrieg der ersten zionist. Ortsgruppe Preßburgs an. Zeitweise deren Sekr., führte er während der Misrachi-Weltkonferenz 1904 in Preßburg Protokoll. Nach dem Krieg, an dem er als Lt. teilgenommen hatte, schloß er sich unter lebenslanger Beibehaltung seiner jüd. Orthodoxie dem Misrachi-Zionismus an, der das religiöse Judentum mit dem jüd.-nationalen Selbsthilfegedanken verband. 1919–39 war S. führender Repräsentant des tschechoslowak. religiösen Zionismus, der in der Zwischenkriegszeit die Auswanderung v. a. ostslowak. und ruthen. Juden nach Palästina unterstützte. Das tief religiöse Judentum Ostmitteleuropas sah S. als eigentl. Fundament des Judentums überhaupt. S. stand lebenslang im Spannungsfeld zwischen Modernität und Religiosität einerseits, bürgerl. Assimilationsdruck und jüd. Eigenständigkeit andererseits. Wie seine Eltern war auch er in jüd. Wohltätigkeitsorganisationen tätig. Gem. mit seiner Frau Serene, geb. Sauber (1895–1942), die der Women’s International Zionist Organisation und der Misrachi-Frauenorganisation Mirijam angehörte, und dem ältesten Sohn wurde er im Juli 1942 in das ehemalige Polen deportiert, wo er umkam. Mit ihnen fielen zahlreiche weitere Mitgl. der Familie dem Holocaust zum Opfer. Seine Tochter Selma S. (geb. 1925) überlebte und konnte 1991 die Buchhandlung Steiner wieder eröffnen.

L.: M. Trančík, Zwischen Alt- und Neuland. Die Geschichte der Buchhändlerfamilie S. in Pressburg, 1996 (m. B. u. L.); ders., in: Der Erste Zionistenkongress von 1897, ed. H. Haumann, 1997, S. 101ff. (m. B.); R. Popper, in: David 9, 1997, Nr. 34, S. 45f.
(M. Trančík)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 178
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