Steinkeller, Rudolf (1805–1862), Theaterdirektor

Steinkeller Rudolf, Theaterdirektor. Geb. Krakau, Galizien (Kraków, Polen), 1805; gest. 14. 4. 1862; röm.-kath. Bruder von Piotr Antoni S. (s. d.). Nach einem Praktikum im väterl. Geschäft stud. S. 1823/24 an der kommerziellen Abt. des polytechn. Inst. in Wien. Großjährig geworden, kaufte er 1827 das Theater in der Wr. Leopoldstadt und übernahm 1828 dessen ökonom. Leitung. Mit dem als Nachfolger von Johann Sartory (s. d.) zum Dir. bestellten Raimund (s. d.) kam es i. d. F. zu Meinungsverschiedenheiten bezügl. der Aufgaben eines Besitzers einerseits und eines künstler. Leiters andererseits. S. versuchte durch personelle Kürzungen Reformen durchzuführen, wodurch er Raimund desavouierte. Eine allg. Theaterkrise, bedingt durch künstler., wirtschaftl. und polit. Probleme, sowie der Mißerfolg von Raimunds „Unheilbringender Zauberkrone“ (ursprüngl. „Unheilbringender Krone“) erschwerten die Zusammenarbeit beider noch zusätzl., sodaß Raimund die Dion. bereits 1830 zurücklegte und Sartory erneut interimist. eingesetzt wurde. S. verließ Wien – von allen Seiten bedrängt – fluchtartig im Jänner 1831. Das Theater hatte er zuvor seinem Bruder Piotr S. übertragen, der es bald darauf an Franz v. Marinelli, den jüngeren Sohn des ursprüngl. Theaterbesitzers, verkaufte. S. ließ sich in Krakau nieder, verwaltete später die Kutschenfabrik seines Bruders in Solec und erhielt dessen kaufmänn. Vollmacht im Warschauer Handelshaus Piotr Steinkeller.

L.: PSB (s. u. Piotr Antoni S.); Wurzbach (s. u. Peter Anton S.); K. Glossy, in: Jb. der Grillparzer-Ges. 26, 1920, s. Reg.; ders., ebd. 30, (1931), S. 65; F. Raimund als Schauspieler 1–2, ed. F. Hadamowsky (= F. Raimund, Sämtl. Werke 5/1–2), (1925), s. Reg.; ders., Das Theater in der Wr. Leopoldstadt 1781–1860 (= Kat. der Theatersmlg. der Nationalbibl. in Wien 3), 1934, S. 64ff.; ders., Wien. Theatergeschichte, Stud.ausg. 1994, s. Reg.; TU, Wien.
(J. Hüttner)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 193f.
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