Stellwag von Carion, Carl (1823–1904), Ophthalmologe

Stellwag von Carion Carl, Ophthalmologe. Geb. Oberlangendorf, Mähren (Dlouhá Loučka, Tschechien), 28. 1. 1823; gest. Wien, 21. 11. 1904. Sohn von Alois Peter Franz S. v. C. (s. u.). Nach dem Gymn. und den phil. Jgg. in Olmütz (Olomouc) stud. S. ab 1841 Med. an der Univ. Prag, ab 1843 an der Univ. Wien; 1847 Dr. med., Mag. obstet., 1848 Dr. chir. Ab 1847 an der Augenklinik im AKH unter Rosas (s. d.) tätig, war er 1848–51 Sekundararzt und übernahm 1848 die Leitung der Abt. Frühzeitig erkannte er die naturwiss. Grundlagen der Ophthalmol. und betrieb trotz Rosas Verbot mikroskop. und histolog. Stud. 1851 eröffnete S. eine Praxis in Brünn (Brno), kehrte aber bald aus wiss. Gründen nach Wien zurück. 1854 Priv.Doz. an der Univ. Wien und Oberarzt 2. Kl., wurde S. Vorstand der Augenkrankenabt. im Garnisonsspital Nr. 1. 1855 Doz. an der Josephs-Akad., 1857 ao. Prof. an der Univ. Wien, beantragte S. 1872 die Aufnahme der Augenklinik der Josephs-Akad. in den Univ.verband. 1873 erfolgten die Übernahme und S.s Ernennung zum o. Prof., 1883 wurde er Vorstand der Univ.augenklinik. 1894 i. R., gab er 1895 auch seine Privatpraxis auf und schenkte seine med. Büchersmlg. der Univ.bibl. Innsbruck. 1855 unterschied S. in seiner Monographie „Die Accommodationsfehler des Auges“ zwischen Fehlern der Akkommodation und Refraktion und definierte erstmals die Übersichtigkeit als einen eigenen Zustand (Hypermetropie). Ab 1847 befaßte er sich mit histolog. Forschungen. Sein mehrbändiges Werk „Die Ophthalmologie, vom naturwissenschaftlichen Standpunkte aus bearbeitet“ (1853–58) war zum Zeitpunkt der Fertigstellung durch die Zellularpathol. von Rudolf Virchow aber bereits überholt. Weitaus mehr Erfolg hatte sein „Lehrbuch der praktischen Augenheilkunde“ (1861/62, 5. Aufl. 1882), das auch ins Engl., Italien. und Ung. übers. wurde. Unter S.s Mitwirkung gab Carl Wedl 1861 den ersten histopatholog. Atlas des Auges heraus. Späteren Neuerungen stand S. wenig aufgeschlossen gegenüber, und so lehnte er v. a. die Asepsis ab. Sein Name ist in der Augenheilkde. noch heute durch das „Stellwag-Zeichen“ – seltener und unvollkommener Lidschlag bei der Basedowschen Krankheit – bekannt. U. a. 1888 Mitgl. der Dt. Akad. der Naturforscher Leopoldina, erhielt S. 1894 das Ritterkreuz des Leopold-Ordens sowie den k. brasilian. Rosenorden. 1883 HR. Sein Vater, Alois Peter Franz S. v. C. (geb. 29. 6. 1753; gest. 18. 2. 1838), stand in den Diensten des Hoch- und Dt.meisterordens, wurde 1780 Rentmeister und 1800 Schloßhptm. von Eulenberg (Sovinec). In Würdigung seiner Verdienste wurde ihm 1828 das Prädikat v. Carion verliehen.

W.: s. u. Eisenberg; Heller; Hirsch; Kreuter; Wurzbach.
L.: NFP, 23., 28., 29. 1. 1903, 23. 11. 1904; WZ, 22. 11. 1904; Czeike; Eisenberg 1–2 (m. W.); Heller 3 (m. W.); Hirsch (m. W.); Hirschberg, Geschichte der Augenheilkde.; Kreuter (m. L. u. W.); Lesky, s. Reg.; Pagel; Wurzbach (m. W.) (auch für Alois Peter Franz S. v. C.); WKW 17, 1904, S. 1296ff.; S. Kirchenberger, Lebensbilder hervorragender österr.-ung. Militär- und Marineärzte, 1913 (m. B.); A. Bader, Entwicklung der Augenheilkde. im 18. und 19. Jh. mit bes. Berücksichtigung der Schweiz, 1933, S. 171f.; D. Heid, Personalbibliographien …Univ. Wien … 1812–84, med. Diss. Erlangen-Nürnberg, 1972, S. 92ff. (m. W.); R. Fellner – W. Höflechner, Die Augenheilkde. an der Univ. Graz (= Publ. aus dem Archiv der Univ. Graz 2), 1973, s. Reg.; H. Freyler, in: Spektrum der Augenheilkde. 2, 1988, S. 9ff.; F. Krogmann, in: Mitt. der Österr. Ges. für Wiss.geschichte 18, 1998, S. 142f.; ders., in: Spektrum der Augenheilkde. 18, 2004, S. 312ff.; AVA, UA, WStLA, alle Wien.
(F. Krogmann)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 204f.
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