Stephani (Stephany), Rudolf von (1817–1855), Turnpädagoge

Stephani (Stephany) Rudolf von, Turnpädagoge. Geb. Brilon, Preußen (Dtld.), 19. 10. 1817; gest. Wien, 25. 6. 1855. Halbbruder von Albert v. S. (s. d.). S. trat 1837 in die 2. Eskadron des in Berlin stationierten Gardedragonerrgt. ein, wurde 1839 Unteroff., beendete seine militär. Laufbahn jedoch bereits 1841. Er absolv. einen Lehrgang bei dem Turnpionier Ernst Eiselen in Berlin und war danach Hilfslehrer in der Turnanstalt seines Halbbruders in Wien, leitete 1841/42 dessen gymnast. Anstalt in Ischl (Bad Ischl) und war ab 1843 Turnlehrer in einer eigenen gymnast. Lehranstalt für die männl. und weibl. Jugend in Prag. Dort veranstaltete S. 1844 ein großes Schauturnen. Nach dem Tod von Albert v. S. übernahm er 1845 dessen Verantwortlichkeiten für die Turnausbildung an der Theresian. und an der Ing.-Akad. in Wien. In der Privatturnanstalt seines Halbbruders erteilte er den Schülern des Akadem., des Josefstädter und des Schottengymn. Turnunterricht und setzte sich für die Ausstattung der Schulen mit Turnplätzen und Turnhallen ein. 1848 gründete S. die Wr. Univ.turnanstalt und versah sie mit einem mehrfachen Aufgabenbereich, der einen freiwilligen Übungsbetrieb für alle Wr. Hochschüler, die Ausbildung von Vorturnern sowie von Turnlehrern an Gymn., die Aufsicht über den Schulturnunterricht sowie die Beratung der Behörden in Turnangelegenheiten umfaßte. 1849 erschien sein „Merkbüchlein für Turner“. 1851 eröffnete er einen Sommerturnplatz an der Theresian. Akad. und besuchte 1852 einen Lehrgang bei Adolf Spieß, dem Pionier des dt. Schulturnens, in Darmstadt. 1854 erhielt er Winterturnräume in der alten Univ. und übergab die von seinem Halbbruder übernommene Privatturnanstalt an Richard Kümmel, um sich ganz seiner Aufgabe als Univ.turnlehrer widmen zu können. S. starb an der in Wien grassierenden Cholera.

L.: Encyklopäd. Hdb. des gesamten Turnwesens 3, ed. C. Euler, 1896; E. Mehl, in: Bundesturnztg. 8, 1927, S. 240ff., 257f., 271ff., 291f., 303f., 320, 323, 336, 347, Beilage „Der Turnwart“, S. 36 (m. B.); J. Strohmeyer, Untersuchungen zur Entwicklung der Leibesübungen an den Schulen Wiens im 19. Jh., phil. Diss. Wien, 1959, S. 242ff., 298ff.; I. Weiler u. a., Grundbegriffe und Persönlichkeiten der Geschichte der Leibesübungen (= Stud.texte zur Leibeserziehung 15), 1975, S. 155f.
(S. Grössing)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 214
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