Stern, Maurice Reinhold von (1860–1938), Schriftsteller und Journalist

Stern Maurice Reinhold von, Schriftsteller und Journalist. Geb. Reval, Rußland (Tallinn, Estland), 3. 4. 1860; gest. Höflein (OÖ), 28. 10. 1938. Sohn des Schriftstellers, Min.beamten und Rittergutsbesitzers Karl Walfried v. S. S. verbrachte seine Kindheit auf dem Familiengut bei Fellin, 1872 zog er mit seiner Familie nach Dorpat (Tartu), wo er das Gymn. besuchte. 1876–79 nahm er als Freiwilliger am Russ.-Türk. Krieg teil. Bald nach seiner Rückkehr ergriff er die Journalistenlaufbahn und wurde Red.mitgl. der „Revalschen Zeitung“. Ende Mai 1881 zog er nach New York, wo er sich mit verschiedensten Gelegenheitsarbeiten durchschlug und zeitweise in großer Armut lebte. In dieser Zeit, die er in seinem autobiograph. Roman „Walter Wendrich“ (1895) schilderte, besuchte er regelmäßig sozialdemokrat. Veranstaltungen. Er war dann für die „New Yorker Staatszeitung“ und die „New Yorker Volkszeitung“ tätig und gründete die „New Jersey Arbeiterzeitung“. Im Frühjahr 1885 kehrte S. nach Europa zurück und begann an der Univ. Zürich ein Phil.stud., wurde allerdings wegen seines dezidierten Eintretens für das Frauenstud. von der Univ. verwiesen. Danach verf. er als freier Schriftsteller sozialpolit. und phil. Schriften, war 1888–90 Red. beim „Zürcher Volksblatt“ und gründete 1892 eine Verlagsanstalt sowie die MS „Sterns literarisches Bulletin der Schweiz“. 1898 mußte er Konkurs anmelden und sein Bl. einstellen, danach lebte er in OÖ, in und um Linz, wo er sich der dt.nationalen Bewegung anschloß. So übernahm er ab Dezember 1901 die Schriftleitung des „Kyffhäuser“ und war eine Zeitlang Dir. der Österr. Verlagsanstalt. In der Auseinandersetzung zwischen G. v. Schönerer (s. d.) und Karl Hermann Wolf, dem Führer der Dt.radikalen Partei, ergriff er Partei für letzteren. Als Schriftsteller ordnete sich S. selbst seit Anfang des 20. Jh. der Heimat- und Provinzkunst zu und schrieb Natur- und Heimatdichtung. Bes. seine Lyrik wird heute als Trivialliteratur gewertet. In den 1920er Jahren verf. er auch einige Schriften phil. Inhalts, etwa „Weltanschauung“, 1921, oder „Theorie des Unbewußten“, 1928, in einer Diktion, die in Richtung Faschismus deutet. Seine letzten Lebensjahre verbrachte S. zurückgezogen in seinem Haus bei Ottensheim.

W. (auch s. u. Kosch; Kosel; Paulus): Proletarierlieder, 1885, 2. Aufl.: Stimmen im Sturm, 1888; Alkohol und Sozialismus. Ein Appell ans Volk, 1889; Mattgold. Neue Dichtungen, 2. Aufl. 1893; Waldskizzen aus OÖ, 1901; Das literar. Schaffen in den Ländern: OÖ, in: Nagl–Zeidler–Castle 4, 1937; etc. – Teilnachlaß, Österr. Nationalbibl., Wien.
L.: Brümmer; Kosch; Kosel 2; Nagl–Zeidler–Castle 3–4, s. Reg. (m. B.); Wer ist’s?, 1912; I. Paulus, M. R. v. S., phil. Diss. Innsbruck, 1954 (m. W.); E. Thomson, in: Ostdt. Gedenktage, 1988, S. 161ff. (m. B. u. tw. L.); M. Redlich, Lex. dt.balt. Literatur, 1989; H. Ebner u. a., Literatur in Linz, 1991, s. Reg. (m. B.); F. Berger, in: Blickpunkte 45, 1995, H. 1, S. 53ff. (m. B.); Th. Mann, Große kommentierte Frankfurter Ausg. 14/2, ed. H. Detering, 2002, s. Reg.
(I. Nawrocka)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 228f.
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