Sternberg, Maximilian (1863–1934), Internist und Sozialmediziner

Sternberg Maximilian, Internist und Sozialmediziner. Geb. Wien, 27. 10. 1863; gest. ebd., 6. 9. 1934; mos. Vater des Embryologen Hermann S. Nach Absolv. des Akadem. Gymn. in Wien stud. S. ab 1881 zunächst Mathematik, ab 1882 Med. an der Univ. Wien; 1887 Dr. med. 1886–89 Demonstrator bzw. suppl. Ass. am physiolog. Inst. unter E. W. v. Brücke und S. v. Exner-Ewarten (beide s. d.), interessierten ihn damals neben anatom. Fragestellungen v. a. die allg. und spezielle Physiol. des Nervensystems. I. d. F. vervollständigte S. seine Ausbildung als Hospitant, Aspirant und Sekundararzt 1. Kl. an den Kliniken von H. v. Bamberger, I. Neumann v. Heilwart, Kaposi und Th. Meynert (alle s. d.). Anschließend bis 1893 Ass. an der 3. med. Abt. im AKH Wien unter Leo Redtenbacher (s. d.), habil. sich S. 1894 für innere Med., später auch für soziale Med. und wurde noch im selben Jahr Chefarzt des Verbands der Genossenschafts-Krankenkasse. Seit 1903 tit. ao. Prof. war er 1905–33 Primararzt und Vorstand der 1. med. Abt. am Krankenhaus Wieden. S. verbesserte die infrastrukturellen Einrichtungen und modernisierte die Abt. Wiss. befaßte sich S. mit Sozialmed. und Berufskrankheiten, als deren ausgez. Kenner er galt, insbes. mit Rheumatismus, Ischias und Gicht, sowie mit berufsbedingten Erkrankungen der Lunge. Als erster Kliniker beschrieb er das chron. partielle Herzaneurysma. Waren seine anfängl. Arbeiten noch mathemat.-physikal. Inhalts, zeigte sich später seine Vorliebe für Anatomie und Physiol., die in der Entdeckung des von ihm sog. Canalis craniopharyngeus lateralis im Keilbein gipfelte. S. entwickelte ferner ein neues Verfahren zum Nachweis von Bilirubin, außerdem konstruierte er einen neuen Mundspiegel und ein Dynamometer. Darüber hinaus galt sein Interesse auch mediko-hist. Arbeiten, u. a. die Biographie „Josef Skoda“, 1924, sowie seine Publ. über „Die Bedeutung der scholastischen Philosophie für das heutige medizinische Denken“, erschienen in „Abhandlungen zur theoretischen Biologie“ 24, 1926. S. erhielt 1925 das Große Silberne Ehrenzeichen der Republik Österr. 1923 HR.

W.: s. u. Eisenberg; Kreuter.
L.: NFP, 7. 9. 1934; Eisenberg 2 (m. W.); Fischer; Hdb. jüd. AutorInnen; Jb. der Wr. Ges.; Kreuter (m. W.); Lesky, S. 534; Wininger; WMW 83, 1933, S. 1221f. (m. B.); L. Pollak, in: Med. Klinik 30, 1934, S. 1511f.; WMW 84, 1934, S. 1063 (m. B.); Bibliographia Judaica 3, bearb. R. Heuer, 1988; AVA, UA, WStLA, alle Wien.
(D. Angetter)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 236f.
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