Sterneck, Berthold; eigentl. Stern (1887–1943), Sänger

Sterneck Berthold, Sänger. Geb. Wien, 30. 4. 1887; gest. München, Dt. Reich (Dtld.), 25. 11. 1943; mos.; ab 1918 röm.-kath. Hieß eigentl. Stern. Verehel. mit Margarethe (Cäcilie) Gutmann (s. u.). S. absolv. nach dem Besuch des Gymn. ein mehrjähriges (privates) Gesangsstud., trat 1911/12 im Chor des Wr. Johann Strauß-Theaters auf und wurde 1913 (erstmaliger Nachweis der Namensänderung in Sterneck) ans Stadttheater Saaz verpflichtet. Nach Kriegsteilnahme ging S. ans Theater in Graz, 1920 wurde er an das Neue dt. Theater Prag engag., an dem er die großen Baßpartien v. a. des italien. und dt. Faches sang und auch oft als Solist in Konzerten auftrat. Bes. Erfolg hatte S. aufgrund der Klangfülle seiner Stimme, der deutl. Textbehandlung und seines darsteller. Talents in kom. Partien, v. a. als Ochs auf Lerchenau im „Rosenkavalier“ von Strauss, der zu seiner Paraderolle wurde. 1923 ging er an die Bayer. Staatsoper München. Als Gast sang er 1926 und 1934 in Amsterdam den Leporello, 1931, 1936 und 1938 trat er an der Wr. Staatsoper, 1935 bei den Salzburger Festspielen (als Osmin) auf. S. wirkte auch 1934 bei den engl. Erstauff. von Strauss’ „Arabella“ (als Gf. Waldner) und Jaromier Weinbergers „Schwanda der Dudelsackpfeifer“ (als Der Teufel) an der Londoner Covent Garden Opera mit. Er gastierte an zahlreichen weiteren Bühnen in der Schweiz, Frankreich und Italien. Nach 1933 aufgrund seiner Abstammung immer wieder Verfolgungen ausgesetzt, mußte er 1936 die Bayer. Staatsoper verlassen. S. ehel. nach dem Tod seiner ersten Frau, Ernestine, geb. Schröder (1893–1919), 1922 in Prag die Mezzosopranistin bzw. Altistin Margarethe (Cäcilie) S., geb. Gutmann (geb. Wien, 12. 5. 1894; gest. München, 22. 2. 1945 [Todeserklärung 1949]), die, unter dem Bühnennamen Margarethe Gerth vom Stadttheater Breslau kommend, 1919–23 ebenfalls am Prager Neuen dt. Theater engag. war. Sie wurde v. a. in Wagner-Rollen geschätzt und trat auch als Konzert- und Liedsängerin auf, u. a. 1921 mit dem Altsolo in Mahlers (s. d.) „Das Lied von der Erde“ und als „Waldtaube“ in Schönbergs „Gurreliedern“. S.s Sohn aus erster Ehe, Kurt S. (1919–1998), war an mehreren dt. Bühnen sowie in Innsbruck, Graz und Bregenz als Schauspieler engag.

Hauptrollen: Rocco (L. van Beethoven, Fidelio); Kaspar (C. M. v. Weber, Der Freischütz); Sparafucile (G. Verdi, Rigoletto); Großinquisitor (ders., Don Carlos); Kg. Heinrich (R. Wagner, Lohengrin); Hagen (ders., Die Götterdämmerung); Veit Pogner (ders., Die Meistersinger von Nürnberg); Gurnemanz (ders., Parzival); Gianni Schicchi (G. Puccini, Gianni Schicchi); etc.
L.: Kosch, Theaterlex. (auch für Kurt S.); Kutsch–Riemens, 4. Aufl. 2003; Ulrich; Dt. Bühnen-Jb. 23ff., 1912ff.; H. Kaut, Festspiele in Salzburg, 1969, S. 435; P. Tancsik, Die Prager Oper heißt Zemlinsky, 2000, s. Reg. (auch für Margarethe Gerth); Biograph. Gedenkbuch der Münchner Juden 2, 2007 (m. B.); Stadtarchiv, München, Dtld.
(C. M. Gruber – H. Reitterer)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 238
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