Stiassny von Elzhaim, Felix (1867–1938), Großindustrieller

Stiassny von Elzhaim Felix, Großindustrieller. Geb. Wien, 24. 3. 1867; gest. ebd., 28. 8. 1938 (Selbstmord); bis 1913 mos., zuletzt röm.-kath. Sohn des k. Rats Wilhelm S. (geb. St. Georgen, Ungarn, 4. 7. 1834 oder 4. 6. 1833; gest. Wien, 25. 5. 1918; mos.), Chef der 1832 von seinem Vater gegr. mechan. Bauwollweberei und Bleicherei in Reichenau an der Kněžna (Rychnov nad Kněžnou) mit Hauptniederlage in Wien und Mitbegründer, später Ehrenmitgl. des Wr. Kreditorenverbands, Bruder von Eduard S. (s. u.). S. besuchte fünf Gymn.kl. in Wien, die höhere Handelsschule in Dresden und die Fachschule für Textilind. in Wien. Nach einem dreijährigen Aufenthalt in England zum Stud. der dortigen Baumwollind. und der einschlägigen Exportverhältnisse trat er in die Schafwolldruckerei seines Onkels in Rannersdorf (NÖ) ein; 1892 wurde er öff. Ges. des 1867 protokollierten Familienunternehmens H. Stiassny’s Söhne in Reichenau / Wien. Die Fa., die ursprüngl. Sonnen- und Regenschirme sowie Wäschewaren, ab 1894 ausschließl. glatte und gemusterte Baumwollgewebe sowie Baumwollsamt, Klothe und farbige Hemdenstoffe erzeugte, nahm unter S.s Leitung einen raschen Aufschwung, wozu auch seine auf Reisen durch weite Teile Europas und des Orients geknüpften Kontakte wesentl. beitrugen. 1906 venezolan. Hon.-Konsul, gehörte er auch dem Berufungssenat der Finanzlandesdion. an und war in zahlreichen Ver., wie im Nö. Gewerbever. und im Ver. zur Förderung der volkswirtschaftl. Interessen Dalmatiens, tätig. Neben anderen humanitären Einrichtungen unterstützte S. insbes. den Bau des Kn. Elisabeth-Heimes für Witwen, Waisen, Frauen und Mädchen des gebildeten Mittelstandes. S. erhielt zahlreiche in- und ausländ. Ausz., war Ritter (1903), dann Off. des Franz Joseph-Ordens und wurde 1911 mit dem Prädikat „von Elzhaim“ nob. Aufgrund der nationalsozialist. Machtübernahme wählte S. 1938 gem. mit seiner Gattin Charlotte (geb. 24. 6. 1873) den Freitod. Sein Bruder Eduard S. (geb. Wien, 18. 1. 1869; gest. ebd., 21. 4. 1938, Selbstmord; mos.) stud. nach Absolv. des Akadem. Gymn. in Wien ab 1886 an der Univ. Wien Chemie; 1892 Dr. phil. Er praktizierte in verschiedenen Laboratorien und Fabriken in Österr. und Dtld.; ausgedehnte Reisen führten ihn auch nach West- und Südeuropa. Miteigentümer und Hrsg. der „Österreichischen Chemiker-Zeitung“ und Mitarb. der „Neuen Freien Presse“, war Eduard S. u. a. Mitgl. des Ver. österr. Chemiker und des Zentralver. der Ztg.unternehmungen. 1928 wurde er mit dem Ritterkreuz des Österr. Verdienstordens ausgez.

L.: NFP, 28. 5. 1918 (für Wilhelm S.); Jb. der Wr. Ges.; Der k.-österr. Franz Joseph-Orden und seine Mitgl., ed. L. Hirsch, 1912, S. 375; A. Fessen, Der österr. Wirtschaftsadel von 1909–18, phil. Diss. Wien, 1974, S. 177f. (auch für Eduard S.); AVA, WStLA, beide Wien. – Eduard S.: Jb. der Wr. Ges.; Ehrenbuch … des Österr. Verdienstordens …, 1936, S. 229 (m. B.); IKG, UA, WStLA, alle Wien.
(D. Angetter – J. Mentschl)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 247
<=  S. 1 =>
<=  S. 1 =>