Stiaßny (Stiassny), Ignaz; Nannte sich bereits vor der amtl. Namensänderung (1904) Wild. (1849–1909), Theaterdirektor und -agent

Stiaßny (Stiassny) Ignaz, Theaterdirektor und -agent. Geb. Trebitsch, Mähren (Třebíč, Tschechien), 13. 5. 1849; gest. Wien, 19. 10. 1909; mos. Nannte sich bereits vor der amtl. Namensänderung (1904) Wild. Nach dem Besuch zweier Realschul- und zweier Gymn.kl. war S. kurze Zeit Praktikant in einem Seidenwarengeschäft, bevor er 1868 in Linz zur Bühne ging. Als Schauspieler wirkte er u. a. in Wien und Berlin, widmete sich dann aber seiner 1877 gegr. Theater- und Konzertagentur I. Wild. Zunächst Red. des „Wiener Theater-Figaro“, gab S. 1878–99 seine eigene „Wiener Theater-Zeitung“ heraus. 1885 wurde er Dir. des Sommertheaters in Ischl (Bad Ischl). Während seiner 18jährigen Dion. pflegte er insbes. die Operette und gewann Künstler wie Girardi (s. d.), Helene Odilon (s. u. H. Petermann), Adele Sandrock (s. d.) und die Tänzerin Isadora Duncan für Gastauftritte. Ab 1894 auch Dir. des Wr. Theaters in der Josefstadt, ließ S. das Haus renovieren und änderte das bislang vom Wr. Volksstück bestimmte Repertoire zugunsten französ. Schwänke und Singspiele. So eröffnete er mit dem Vaudeville „Tata-Toto“ von Paul Bilhaud und Albert Barré (Musik von Antoine Banès) und erzielte mit dem Schwank „Wie man Männer fesselt“ (nach „Les Fêtards“ von Antony Mars und Maurice Hennequin), in dem Annie Dirkens die Hauptrolle spielte, einen der größten Erfolge in der Geschichte dieser Bühne überhaupt. Zu den Hauptstützen seines Ensembles zählten u. a. Gustav Maran und Viktoria Pohl-Meiser (s. d.). 1897 führte er auch Opernvorstellungen ein. Von Behördenseite u. a. wegen Mißachtung von Zensurvorschriften verwarnt und von der nationalen Presse als „Manager französischer Cochonnerie“ angegriffen, übergab er 1899 die Dion. an J. Jarno (s. d.). S. war auch Teilhaber der Fa. Brevillier & Comp. Ein Teilnachlaß befindet sich in der Wienbibl. im Rathaus, Wien.

L. (meist s. u. Wild): Ischler Wochenbl., 14. 6. 1885; WZ, 29. 9. 1894 (A.); FB, NWT, 20. 10. 1909; Eisenberg 1; Heller 5; Kat. der Portrait-Smlg., S. 628; Nagl–Zeidler–Castle 4, S. 2011f. (m. B.); H. Freese-Eberstaller, Das Ischler Theater, phil. Diss. Wien, 1948, bes. S. 59ff., 183ff., 263ff.; A. Bauer, Das Theater in der Josefstadt zu Wien, 1957, S. 138ff. (m. B.); ders. – G. Kropatschek, 200 Jahre Theater in der Josefstadt, 1788–1988, 1988, S. 82f., 284f.; F. Hadamowsky, Wien. Theatergeschichte, Stud.ausg. 1994, s. Reg.; Zur Geschichte der Wr. Operette, Wien 1997, S. 47ff. (Kat., m. B.); IKG, WStLA, beide Wien.
(E. Offenthaler)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 245f.
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