Stief, Sebastian (1811–1889), Maler und Lithograph

Stief Sebastian, Maler und Lithograph. Geb. Tengling, Bayern (Dtld.), 16. 1. 1811; gest. Salzburg (Sbg.), 29. 7. 1889. Sohn eines Schneiders. – S. erhielt seine erste Ausbildung, die er wegen eines Augenleidens unterbrechen mußte, bei Johann Bapt. Neumüller in Traunstein, 1828–32 stud. er an der ABK in München und war daneben als Miniaturist tätig. 1833 begann er seine Laufbahn als Porträtmaler in Regensburg und Passau, übersiedelte aber bald nach Seekirchen/Wallersee, wo er einen Betrieb für Blechspielzeug geerbt hatte. Nach dessen Einstellung und seiner Heirat mit Marie v. Naumann, einer Enkelin des Landschaftszeichners Franz v. Naumann, ließ sich S. 1838 in Salzburg nieder. Die gesellschaftl. Beziehungen seiner Frau ebneten ihm den Weg zum führenden Porträtisten der Stadt: Er schuf Bildnisse von fast allen Honoratioren und geistl. Würdenträgern (z. B. der Erzbischöfe Maximilian v. Tarnoczy und F. A. Eder, s. d.). Auch die Klöster Hohenfurth, Kremsmünster, Reichersberg und Lambach sowie die Linzer Bürgerschaft versorgten ihn mit Aufträgen, die S. in nüchtern charakterisierender, feinmaler. Manier ausführte. Daneben schuf er zahlreiche Porträtlithographien, u. a. für „Die Bürgermeister in Salzburg von 1433 bis 1840“, 1840, von Maria Vinzenz Suess. Fast ebenso produktiv war S. im religiösen Fach, wo er dem streng nazaren. Stil seines Lehrers J. V. H. Schnorr v. Carolsfeld (s. d.) nachfolgte. Im Zuge der neugot. Restaurierungswelle stattete er viele Sbg. Pfarrkirchen mit Altar-, Wand- und Kreuzwegbildern aus, wobei sein Tätigkeitsfeld bis nach Bayern und OÖ reichte. Seine bekanntesten Werke sind die beiden religiösen Historienbilder „Des hl. Rupertus Ankunft im zerstörten Iuvavum“ und „Der hl. Virgil als Erbauer des Salzburger Domes“ (1859/60, Erzbischöfl. Palais, Salzburg, beide lithographiert von Eduard Weixlgärtner). Seltener sind S.s Arbeiten auf dem Gebiet der Genre- und Landschaftsmalerei; insgesamt soll er 821 Gemälde, davon 555 Porträts, geschaffen haben. Bilder besitzen u. a. das Kunsthaus Zürich, das Salzburg Mus. und die Internationale Stiftung Mozarteum. 1844 gehörte er zu den Mitbegründern des Sbg. Kunstver.

Weitere W.: s. u. Sbg. Ztg., 26. 9. 1889.
L.: Sbg. Ztg., 17. 1. 1881, 31. 7., 23.–26. (m. W.) 9. 1889; Sbg. Volksbl., 29. 7. 1939; Fuchs, 19. Jh.; Thieme–Becker; Wurzbach; L. Hoffmann, S. S., 1950; N. Schaffer, in: das kunstwerk des monats, Juli 1989, 1989 (m. B.); I. Hannesschläger, in: 1300 Jahre Seekirchen, ed. E. und H. Dopsch, 1996, S. 438, 455f.; Sbg. Kulturlex., ed. A. Haslinger – P. Mittermayr, 2. Aufl. 2001 (m. B.); Geschichte der bildenden Kunst in Österr. 5, ed. G. Frodl, 2002, S. 363f.; W. Sauberer, in: Mitt. der Ges. für Sbg. Landeskde. 144, 2004, S. 321ff.; ABK, München, Dtld.
(N. Schaffer)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 61, 2009), S. 250f.
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