Stiefsohn, Ignaz (1911–1936), Flugpionier

Stiefsohn Ignaz, Flugpionier. Geb. Wien, 26. 4. 1911; gest. Berlin, Dt. Reich (Dtld.), 3. 8. 1936 (Unfall). Aus ärml. Verhältnissen stammend. – S. absolv. eine Lehre bei der Fa. Gräf & Stift, wandte sich als einer der ersten nach dem 1. Weltkrieg dem Segelfliegen zu und trat 1927 der Jungfliegergruppe des Österr. Aero-Clubs (ÖAeC) bei. Nach Abschluß seiner Lehrausbildung ging er zum österr. Bundesheer, wurde der erste Pilot ohne Off.rang und war als Fluglehrer des Fliegerrgt. 1 der Theresian. Militärakad. in Wr. Neustadt tätig. Im März 1931 legte er als erster in Österr. die offizielle Segelflugprüfung ab, indem er mit einem verkleideten Segelflieger vom Typ „Zögling“ den ersten Dauerflug über dem Hundsheimer Kogel absolv. Im September 1931 gelang ihm mit einem Leistungssegelflugzeug des Typs „Professor“ auf dem Flugplatz Aspern der erste Motorflugzeugschleppstart in Österr.; danach leitete er die Schleppflugkurse des ÖAeC in Wr. Neustadt. Anfang Oktober 1931 unternahm er den ersten Segelflug über Wien, durch den die therm. Strömungen über der Stadt bewiesen werden konnten. Im Rahmen der Tagung der Internationalen Studienkomm. für den motorlosen Flug (ISTUS) in Budapest im Mai 1936 steuerte er eines der beiden Segelflugzeuge, die im Motorflugzeugschlepp von Wien nach Budapest flogen. 1936 leitete er den österr. Segelflugkader bei den Olymp. Sommerspielen in Berlin, da der Segelflug olymp. Disziplin werden sollte. Bei einem Probeflug vor der eigentl. Vorführung stürzte er mit seinem Segelflugzeug vom Typ „Rhönsperber“ infolge eines Flügelbruchs in Berlin-Staaken ab und verunglückte tödl. Als zweitem Österreicher nach R. Kronfeld (s. d.) wurde S. im Oktober 1936 posthum das Segelflug-Leistungsabzeichen verliehen.

L.: NWT (auch A.), RP, Sport-Tagbl., 4., Wr. Neueste Nachrichten, 7. 8. 1936; Der Pilot 2, 1936, Nr. 7, S. 7f., 12 (m. B.); H. Schatzer, in: austroflug 3, 1953, Nr. 9–10, nach S. 160 (m. B.); ders., Spitzerberg. Vom ersten Gleitflug zur Bundessportschule Spitzerberg, (1979), S. 8ff.; Archiv des Österr. Aero-Clubs, Wien.
(R. Keimel)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 61, 2009), S. 252
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