Stiger, Johann Ev. (1776–1846), Mediziner

Stiger Johann Ev., Mediziner. Geb. Graz (Stmk.), 22. 10. 1776; gest. ebd., 28. 9. 1846; röm.-kath. Sohn eines Färbermeisters, Vater von Joseph Leopold S. (s. d.). – Nach Absolv. des Akadem. Gymn. und der phil. Jgg. am Lyzeum in Graz stud. S. ab 1795 Med. an der Univ. Wien; 1799 Dr. med., 1805 Mag. ophthalm. 1800 nach Graz zurückgekehrt, entfaltete S. eine rege Tätigkeit als prakt. Arzt. Im Frühjahr 1800 wurde er kurzfristig als Chefarzt nach Hartberg berufen, um am dortigen Spital eine Typhusepidemie, die unter mehr als 300 kriegsgefangenen Franzosen ausgebrochen war, unter Kontrolle zu bringen. Nach der Eröffnung einer Praxis als Augenarzt in Graz (1805) wurde S. rasch als erste Autorität des Landes anerkannt und erhielt 1806 die Bewilligung für die Errichtung einer Augenklinik im AKH Graz. Er setzte sich auch für die Behandlung der Armen ein und übernahm 1810 unentgeltl. die ärztl. Versorgung des Siechen- und Arbeitshauses. Darüber hinaus leitete er 1814 als Chefarzt das Militärspital in Graz, übernahm 1815 die ophthalmolog. Betreuung des Provinzial-Strafhauses Karlau sowie 1822 als Ordinarius die dortige med. Behandlung und 1828 die Leitung des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder. 1823 erwarb sich S., der 1817 zum städt. Augenarzt ernannt worden war, bei der Bekämpfung der ägypt. Augenentzündung in der Grazer Garnison bes. Verdienste. 1837/38 Rektor der Univ. Graz, obwohl diese damals noch keine med. Fak. hatte. S. förderte das Impfwesen, insbes. war ihm die Prävention bei der Bekämpfung der Blattern ein Anliegen. Seine 1807 publ. Broschüre „Praktische Belehrungen über die Impfung und den Nutzen der Kuhpocken“ wurde als Pflichtlektüre gratis an alle Ärzte verteilt. Sein Name fand mit der S.schen Kindersalbe, die aus Perubalsam hergestellt und bis weit ins 20. Jh. verwendet wurde, Eingang in die med. Nomenklatur. 1843 k. Rat, war S. Präs. des Ver. der Ärzte in Graz und gehörte viele Jahre dem Stmk. Musikver. an.

L.: Grazer Ztg., 24. 11. 1846; Kleine Ztg. (Graz), 4. 1. 1949; M. Macher, in: Mitth. des Ver. der Aerzte in Stmk. 12, 1875, S. XCIIIff.; F. Krones, Geschichte der Karl Franzens Univ. in Graz, 1886, S. 582; Stmk. LA, Graz, Stmk. (m. B.); UA, Wien.
(D. Angetter)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 61, 2009), S. 261
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