Stigleitner, Hans (1899–1945), Finanzfachmann und Politiker

Stigleitner Hans, Finanzfachmann und Politiker. Geb. Wien, 16. 9. 1899; gest. ebd., 11. 4. 1945 (ermordet). Sohn eines Kaufmanns. – S., der das Gymn. in Wien absolv. hatte, leistete 1917–18 Kriegsdienst und stud. danach bis 1922 an der Univ. Wien Jus; 1919–21 besuchte er auch Vorlesungen an der Hochschule für Welthandel; 1923 Dr. jur. Im selben Jahr wurde er Sekr. beim Reichsverband dt. Sparkassen in Österr., 1927 Verbandsanwalt. S., Mitgl. der Burschenschaft Alania sowie des Österr.-dt. Volksbunds und ab 1926 der Großdt. Partei, war in zahlreichen nationalen und internationalen Institutionen des Sparkassensektors tätig und übte, u. a. im „Ständestaat“ als Mitgl. des Bundeswirtschaftsrats (1934–38), nachhaltigen Einfluß auf die Entwicklung des österr. Sparkassenwesens aus. Im Jänner 1938 Gen.sekr. der Ersten österr. Spar-Casse, trat er im Februar desselben Jahres der nationalsozialist. Betriebszelle dieses Inst. bei, nachdem er bereits 1937 Proponent des Dt.-sozialen Volksbunds geworden war. I. d. F. Beauftragter der NSDAP für das Sparkassenwesen, setzte sich S. für eine gewisse Eigenständigkeit des österr. Sparkassenwesens bei der Angleichung an das dt. Sparkassenrecht ein. Ferner betrieb er die Gründung eines Alpenländ. Sparkassen- und Giroverbands und war in zahlreichen Organisationen auf dem Sparkassensektor und in Wirtschaftsunternehmen tätig. Von der Reichsgruppe Banken in Berlin zum Obmann für alle Reichsgaue der Ostmark bestimmt, ist seine Rolle bei der nationalsozialist. Übernahme des Sparkassenwesens in den aufgrund des Münchner Abkommens 1938 dem Dt. Reich zugesprochenen Gebieten sowie in Polen, den Niederlanden und in Slowenien ungeklärt. Obwohl Mitgl. nationalsozialist. Vorfeldorganisationen und 1939–44 Rat der Stadt Wien, wurden seine Ansuchen um Aufnahme in die Partei abgelehnt. Bei Kriegsende fand S. in der Nähe seiner Wohnung unter ungeklärten Umständen einen gewaltsamen Tod.

W.: s. u. Enderle-Burcel.
L.: Emődi; Ehrenbuch der Inhaber … des österr. Verdienstordens, 1936, S. 144 (m. B.); Wer leitet? Die Männer der Wirtschaft und der einschlägigen Verwaltung … 1941/42, 1942; G. Enderle-Burcel, Christlich – ständisch – autoritär. Mandatare im Ständestaat 1934–38, 1991 (m. B. u. W.); H. Dvorak, Biograph. Lex. der Dt. Burschenschaft 1/5, 2002 (m. B.); G. D. Feldman u. a., Österr. Banken und Sparkassen im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit 1–2, 2006, s. Reg.; G. Raab, S. – Leben und Wirken, o. J.; Dt. Bundesarchiv, Berlin, Dtld.; KA, UA, WStLA, alle Wien.
(G. Enderle-Burcel)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 61, 2009), S. 262
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