Stillfried und Rathenitz (Rattonitz, Ratenicz), Raimund Frh. von (1839–1911), Photograph und Maler

Stillfried und Rathenitz (Rattonitz, Ratenicz) Raimund Frh. von, Photograph und Maler. Geb. Komotau, Böhmen (Chomutov, Tschechien), 6. 8. 1839; gest. Wien, 12. 8. 1911; röm.-kath. Sohn von August (s. u. Franz de Paula Frh. v. S. u. R.), Bruder von Franz de Paula Frh. v. S. u. R. (s. d.). – S. besuchte ab 1851 die Marineakad. in Triest (Trieste), nahm aber daneben auch Malunterricht bei Bernhard Fiedler (s. d.). Anschließend begann er die militär. Laufbahn im Pionierkorps und wurde 1856 nach Linz versetzt, wo er seine künstler. Ausbildung bei J. M. Kaiser (s. d.) vertiefte. 1859 Lt., 1861 Oblt., quittierte er 1863 den Dienst und bereiste i. d. F. Südamerika, China und Japan, wo er in Nagasaki für die Handelsfa. Textor & Co. arbeitete. 1865–67 kämpfte S. in Mexiko im österr. Freikorps für K. Maximilian v. Mexiko (s. Ferdinand Maximilian), hielt sich nach dem Zusammenbruch des K.reichs für einige Zeit in Österr. auf, kehrte aber kurz darauf wieder nach Japan zurück, wo er bis 1870 in Tokio bei der norddt. Gesandtschaft und als polit. Ber.erstatter für das Min. des Äußeren arbeitete. 1871 gründete S. in Yokohama das photograph. Atelier S. & Comp. (später S. & Andersen), das für die nächste Dekade das erfolgreichste photograph. Studio Japans wurde. Mitte der 70er Jahre übernahm er auch die Fa. des Photographen Felice Beato. 1878 Prof. der Photographie und Vorstand der photograph. Abt. an der Staatsdruckerei in Tokio. S. spezialisierte sich auf Photographien, die bes. die traditionelle Volkskultur Japans zum Thema hatten, und zeigte seine Aufnahmen auf zahlreichen internationalen Ausst., u. a. in Wien (1873), London (1877), Paris und Amsterdam (1878), Melbourne (1880) und Kalkutta (1883). Für weitere Aufnahmen reiste er u. a. nach Hongkong (1881–82) und Siam (1882–83). 1883 kehrte er nach Wien zurück und stellte hier seine asiat. Werke im Mus. für Kunst und Ind. aus; außerdem führten ihn Reisen u. a. 1889 nach Dalmatien, Bosnien-Herzegowina und Griechenland. In den 90er Jahren betätigte sich S. auch als Restaurator und Maler von Interieurs (z. B. „Das Innere der Stephanskirche“, 1898). S., der als einer der wichtigsten Reisephotographen des 19. Jh. gilt, war ab 1872 Mitgl. der Photograph. Ges. in Wien und ab 1875 Hof-Photograph; 1871 Ritter des Franz Joseph-Ordens.

Weitere W.: Views and Costumes of Japan (Album); Interieurs aus den k. Schlössern; etc. – Publ.: Japan auf der Weltausst., in: Allg. Illustrirte Weltausst.-Ztg. 4–5, 1873; Beitrr. in Photograph. Correspondenz, 1873ff.; etc.
L.: NFP, RP, WZ (A.), 14. 8. 1911; Fuchs, 19. Jh.; Thieme–Becker; Wer ist’s?, 1908; Wurzbach; A. Martinez, Wr. Ateliers, 1891, S. 29ff.; A. Stillfried, Die Stillfriede, 1956; Geschichte der Fotografie in Österr. 1–2, ed. O. Hochreiter – T. Starl, Bad Ischl 1983 (Kat.); The Dictionary of Art 29, 1996; T. Starl, in: Blickfänge einer Reise nach Wien, ed. S. Winkler, 2000, S. 194; L. Gartlan, in: J. Clark, Japanese Exchanges in Art 1850s to 1930s …, 2001, S. 121ff. (m. L.); Johann II. von und zu Liechtenstein …, Wien 2003, S. 122, 291 (Kat.); FotoBibl. Biobibliografie zur Fotografie in Österr. (nur Internet, Zugriff 7. 9. 2009); WStLA, Wien.
(L. Gartlan)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 61, 2009), S. 265
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