Stingl, Hans (1832–1893), Funktionär, Jurist und Politiker

Stingl Hans, Funktionär, Jurist und Politiker. Geb. Girsch, Böhmen (Krsy, Tschechien), 5. 12. 1832; gest. Krems (Krems an der Donau, NÖ), 28. 9. 1893; röm.-kath. Sohn eines Gastwirts. – Nach Absolv. des Gymn. in Pilsen (Plzeň) und Prag (Matura 1852) stud. S. an den Univ. Prag und Wien (1855–56) Jus, 1858 Dr. jur. in Wien, und war ab 1859 Konzipient in einer Kremser Anwaltskanzlei. Nach vorübergehender Tätigkeit in Mistelbach (1867–68) eröffnete S. 1869 eine Kanzlei in Krems. Daneben engagierte er sich im Turn- und Feuerwehrwesen: So initiierte er 1862 die Gründung des Kremser Turnver. und der ersten Turnerfeuerwehr in NÖ nach dt. Vorbild und wirkte in beiden Ver. als Aktiver und als Funktionär mit. S. nahm maßgebl. Anteil an der Schaffung eines Grundgesetzes für den Turnkreis Dt.-Österr. sowie an der Formulierung des Grundgesetzes der Dt. Turnerschaft am 4. Dt. Turntag in Weimar 1868. Die 1870 erfolgte Trennung von Turn- und Feuerwehrwesen fand gegen seinen Widerstand statt. I. d. F. war S. noch in weiteren dt.-nationalen Ver. tätig; u. a. arbeitete er die Statuten des Dt. Schulver. aus und leitete dessen Kremser Ortsgruppe. 1881 wandelte er den Fortschrittsver. in Krems zum dt.-nationalen Ver. um und leitete schon 1884 mit der Gründung eines ersten betont dt.-nationalen Turngaues in Österr. (Ostmark-Turngau) die Spaltung des Turnwesens in rein fachl. und liberale sowie völk. Ver. ein. Für den Allg. Dt. Sprachver. gründete er die erste österr. Ortsgruppe in Krems. 1890 wurde er Vorstandsmitgl. des Gesamtver. S. gehörte ab 1876 mit Unterbrechungen der Kremser Gmd.vertretung an und war 1886–87 RR-Abg. Ideolog. machte S. eine Entwicklung vom Dt.liberalen bis zum Anhänger G. v. Schönerers (s. d.) durch.

W.: Verdeutschungsmerke für das Elternhaus, 1888; Verdeutschungsmerke für Gmd., 1892; zahlreiche Flugschriften; etc.
L.: Oesterr. Land-Ztg., 13. 9., Ostdt. Rundschau, 1., 3., 9. 10. 1893; Dt. Turn-Ztg. 13, 1868, S. 169, 173f., 221ff.; J. Haagn, Mitt. des Kreisturnrates an die Turnver. Dt.-Österr. 19, 1893, S. 219; F. Hirth – A. Kießlich, Geschichte des Turnkreises Dt.-Österr., 1928, bes. S. 84ff., 175ff., 231, 240ff., 295ff. (m. B.); Turnztg. des Dt. Turnverbandes 14, 1933, S. 376; 125 Jahre Turnver. Krems ..., (1987), S. 8ff., 22 (m. B.); G. Schneider, Die Entwicklung des nö. Feuerwehrwesens bis 1870 ..., phil. DA Wien, 1993, bes. S. 37, 42; H. Dvorak, Biograph. Lex. der Dt. Burschenschaft 1/5, 2002 (m. B.); UA, Wien.
(H. Strohmeyer)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 61, 2009), S. 267
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