Stobnicki (Szczęsny), Feliks (1800–1882), Offizier, Revolutionär und Politiker

Stobnicki Feliks (Szczęsny), Offizier, Revolutionär und Politiker. Geb. Wola Radłowska, Galizien (Polen), 13. 1. 1800; gest. Krakau, Galizien (Kraków, Polen), 14. 3. 1882. Sohn eines Grundherrn, Bruder des Off. im österr. Heer Henryk S. (1816–1860). – Nach Schulbesuch in Tarnów und Olmütz (Olomouc) trat S. 1819 bei der Art. in die poln. Armee ein. Ab 1821 besuchte er die Militärschule in Warschau und wurde i. d. F. als Feuerwerksmeister bei der leichten Pferdeart. in Łęczyca verwendet, schied allerdings 1824 aus dem Militärdienst aus. Nach dem Ausbruch des Novemberaufstands 1830 kehrte er zu seiner alten Einheit zurück. Er zeichnete sich 1831 in der Schlacht bei Grochów gegen die Russen aus, avancierte zum Unterlt. und nahm auch an weiteren Schlachten, u. a. bei Dębe Wielkie und Warschau, teil. Nach Galizien zurückgekehrt, verwaltete S. in Limanowa die Güter seiner zweiten Ehefrau (und Schwägerin) Maria, geb. Wielogłowska. In den 1840er Jahren gehörte er zu den Gegnern der konspirativen Bewegung, die vom Ver. Towarzystwo Demokratyczne Polskie organisiert wurde. Nach Ausbruch des Bauernaufstands in Galizien im Februar 1846 war er für die Verteidigung von Limanowa verantwortl. und wehrte zwei bewaffnete Bauernangriffe ab. Während der Revolution von 1848 engagierte sich S. neuerl. polit. und wurde zum Vors. des Nationalrats in Neusandez (Nowy Sącz) gewählt, im Mai 1848 wurde er Mitgl. des Rada Narodowa Centralna in Lemberg (L’viv) und im Juli in den Wr. Reichstag entsandt. Dort trat er den sog. Frackpolen bei, die sich aus dem Kreis der Grundbesitzer und der Intelligenz zusammensetzten. Nach dem Ausbruch der Oktoberrevolution in Wien wurde er als einziger Pole Mitgl. der permanenten Komm., die während der unterbrochenen Session des Parlaments tagte. Während der Kämpfe um das Wr. Arsenal wurde er angeschossen. S., der die Ermordung von Th. Gf. Baillet de Latour (s. d.) scharf verurteilte, gehörte auch dem Kremsierer Reichstag an. Nach der Auflösung des Parlaments im März 1849 verzichtete er auf eine weitere polit. Karriere. 1855 übersiedelte er nach Krakau.

L.: PSB (m. L.); S. Dembiński, Rok 1846, 1896, S. 206; J. Grabowiecki, Moje wspomnienia w emigracji, ed. E. H. Nieciowa, 1970; M. Stolarczyk, Działalność Lwowskiej Centralnej Rady Narodowej, 1994; J. Buszko, Polacy w parlamencie wiedeńskim 1848–1918, 1996.
(E. Orman – K. Weisswasser)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 61, 2009), S. 271f.
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