Stockert (Stockert-Meynert), Dora (Theodora) von (1870–1947), Schriftstellerin

Stockert (Stockert-Meynert) Dora (Theodora) von, geb. Meynert, Schriftstellerin. Geb. Wien, 5. 5. 1870; gest. ebd., 24. 2. 1947; röm.-kath. Enkelin von Hermann Günther, Tochter von Th. Meynert (beide s. d.) und Johanna Meynert (s. u. Th. Meynert), Nichte Scheuthauers, Schwiegertochter von Franz, Schwägerin von Ludwig und Robert v. S. (alle s. d.), ab 1899 verehel. mit Leopold v. S. (s. u.), Mutter des Mediziners Franz Günther v. S. (1899–1967). – S., die in Klosterneuburg und ab 1907 in Wien lebte, veröff. ab 1900 erste Aufsätze und Skizzen in der „Wiener Zeitung“ sowie im „Neuen Wiener Tagblatt“. 1903 erschien ihre erste Erz., „Grenzen der Kraft“, mit einem von Berthold Löffler gestalteten Umschlag. Es folgten der Frauenroman „Sabine. Tragödie einer Liebe“ (1905) und das preisgekrönte Volksdrama „Die Blinde“ (1908). Neben einigen Theaterstücken und Romanen schrieb sie Novellen („Euphorion“, 1926) und Lyrik (z. B. „Spiegelbilder“, 1937). Im „Getreuen Eckart“ erschienen Ende der 20er Jahre Erz., die später in den Bd. „Kämpfer, Helden und Toren“ (1932) aufgenommen wurden. Geprägt vom sozialen Engagement ihrer frühverstorbenen Mutter, setzte sie sich in ihren Werken häufig mit der Rolle der Frau auseinander. In ihrem Hauptwerk, „Theodor Meynert und seine Zeit“ (1930), beschrieb sie die wiss. und künstler. Atmosphäre ihres Elternhauses, in dem u. a. L. A. v. Frankl-Hochwart, Josef Lewinsky, K. Frh. v. Rokitansky, F. Frh. v. Saar (alle s. d.) und Josephine v. Wertheimstein verkehrten. S., die dem nationalsozialist. Gedankengut nahestand, zählte zu den Gründerinnen des Verbands künstler. Frauenorganisationen Panthea und war 1919–38 Präs. des Ver. der Künstlerinnen und Schriftstellerinnen in Wien. Sie gehörte außerdem dem PEN-Klub, dem Journalisten- und Schriftstellerver. „Concordia“ sowie ab März 1937 dem Bund der dt. Dichter in Österr. an. Ihr Mann, Leopold v. S. (geb. 14. 2. 1860; gest. Wien, 10. 3. 1938), absolv. die Handelsakad. und war kurze Zeit im Bankdienst, 1882–92 bei der K. Ferdinands-Nordbahn und anschließend in der Dion. der Bozen-Meraner Bahn in Wien tätig (1900 Oberinsp.). 1906 in das Eisenbahnmin. übernommen, war er 1910–15 Dir. des Hist. Mus. der österr. Eisenbahnen; 1915 i. R.; Reg.Rat. Er gründete die Gemeinnützige Arbeitsgenossenschaft geistiger Arbeiter Oesterr., die später mit dem Zentralrat der geistigen Arbeiter verschmolz, und setzte sich für soziale Belange ein.

Weitere W. (auch s. u. Brinker-Gabler): Romane: Und sie gingen in ihr Kg.reich, 1912; Das Bild der Ilje, 1928. Dramen: Prinzen ohne Land, 1932; Der Spass des gnädigen Herrn, 1934; etc. – Splitternachlaß: Hss.smlg., Österr. Nationalbibl., Wien. – Leopold v. S.: Verwendung des Automobiltrain Tlaskal für gleislose Bahnen …, 1905.
L.: Brümmer; Hall–Renner; Jb. der Wr. Ges.; Kosch; Nagl–Zeidler–Castle 3–4, s. Reg.; Dichterbuch. Dt. Glaube, dt. Sehnen und dt. Fühlen in Österr., 1933, S. 457ff. (m. B.); G. J. Meinel-Kernstock, D. v. S.-Meynert …, phil. Diss. Wien, 1948 (auch für Leopold v. S.); G. Brinker-Gabler u. a., Lex. dt.sprachiger Schriftstellerinnen 1800–1945, 1986 (m. B.); Stadtarchiv, Klosterneuburg, NÖ; WStLA, Wien; Mitt. Klaus Amann, Klagenfurt, Ktn., Karin Gradwohl-Schlacher, Graz, Stmk. – Leopold v. S.: B. Neuner, Bibliographie der österr. Eisenbahnliteratur … 3, 2002, S. 1364; 100 Jahre Techn. Mus. Wien, ed. H. Lackner u. a., 2009, s. Reg.; AdR, TU, Materialiensmlg. ÖBL, alle Wien.
(I. Nawrocka – E. Offenthaler)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 61, 2009), S. 274f.
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