Stockert, Franz von (1822–1900), Eisenbahnfachmann

Stockert Franz von, Eisenbahnfachmann. Geb. Stockau, Böhmen (Pivoň, Tschechien), 11. 2. 1822; gest. Wien, 23. 3. 1900; röm.-kath. Sohn eines Gutsverwalters, Vater von Leopold (s. u. Dora v. S.), Ludwig und Robert, Schwiegervater von Dora v. S. (alle s. d.). – Nach seinem Stud. am polytechn. Inst. in Prag (1838–43) war S. zunächst bei der nö. Landesbaudion. in Wien tätig, wechselte aber noch 1843 zur K. Ferdinands-Nordbahn, wo er fast ausschließl. im Bereich des Baues und der Bahnerhaltung beschäftigt war und hier auch Karriere machte: 1856 zum Ing. befördert, wurde er 1860 ins Wr. Zentralbüro berufen und bald mit der Leitung des gesamten Bau- und Bahnerhaltungsdienstes betraut (1861 Ober-Ing., 1864 Insp., 1866 Oberinsp., 1869 Zentralinsp. und – in Fragen der Bahnerhaltung – Stellv. des Gen.insp. Eichler v. Eichkron, s. d.); 1884 i. R. Unter S.s Leitung wurden zahlreiche Umgestaltungs- und Erweiterungsbauten der K. Ferdinands-Nordbahn ausgeführt (u. a. war er maßgebl. am Umbau des Wr. Nordbahnhofs beteiligt). Pionierarbeit leistete S. auf schienenstatist. Gebiet, indem er die Haltbarkeit von Eisenbahnschienen untersuchte. Ab 1861 ließ er auf den Linien der K. Ferdinands-Nordbahn mit großem Erfolg Puddel-, dann Bessemer-Stahlschienen verlegen und initiierte damit die Stahlschienenverwendung in Mitteleuropa. 1866 führte er auch ein eigenes Schienenprofil ein, das sich durch günstige Masseverteilung auszeichnete. Als Gutachter war S. u. a. im Zusammenhang mit dem Arlbergbahnprojekt tätig. 1885–95 gehörte er dem Verw.R. der böhm. Westbahn an. S. erhielt u. a. das Goldene Verdienstkreuz mit der Krone (1860), das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens (1869) und den Orden der Eisernen Krone III. Kl. (1874); 1874 Erhebung in den Ritterstand; 1876 Reg.Rat.

W.: Ueber Abnützung und Dauer der Eisenbahnschienen, in: Z. des Oesterr. Ing.- und Architekten-Ver. 24, 1872; Die Alternativ-Trassen der Arlberg-Bahn und die Brochure des Herrn W. v. Nördling …, 1880.
L.: NFP, 26. 3. 1900; Biograph. Jb. 5, 1903, S. 188; Egerländer Biograf. Lex. 2; Inauguration TH Wien 1929, 1930, S. 73; Wurzbach; Das ständ.-polytechn. Inst. zu Prag, red. C. Jelinek, 1856; Organ für die Fortschritte des Eisenbahnwesens ... 55, 1900, S. 128f. (m. B.); Beschreibender Kat. des k. k. hist. Mus. der österr. Eisenbahnen, 1902, S. 316f.; G. J. Meinel-Kernstock, Dora v. S.-Meynert …, phil. Diss. Wien, 1948, S. 68f.; AVA, WStLA, beide Wien; Mitt. Martin Huber, Wien.
(E. Offenthaler)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 61, 2009), S. 275
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