Stockert, Ludwig von (1853–1929), Eisenbahningenieur

Stockert Ludwig von, Eisenbahningenieur. Geb. Freistadt, Schlesien (Karviná, Tschechien), 7. 2. 1853; gest. Montevideo (Uruguay), 30. 7. 1929; röm.-kath. Sohn von Franz, Bruder von Robert (beide s. d.) und Leopold v. S. (s. u. Dora v. S.), Schwager von Dora v. S. (s. d.). – Nach Absolv. des Akadem. Gymn. in Wien 1871 und des Einjährig-Freiwilligenjahrs 1872/73 (Res.off.) stud. S. bis 1876 an der TH Wien und besuchte dann physikal., mathemat. und phil. Vorlesungen an der Univ. Wien. Anschließend arbeitete er bei der K. Ferdinands-Nordbahn als Ing., später als Obering. für Maschinenbau im Konstruktionsbüro, in der Lokomotiv- und Waggonwerkstätte in Mähr. Ostrau (Ostrava), in der Waggonwerkstätte Floridsdorf und zuletzt als stellv. Zugförderungsinsp. In dieser Zeit wirkte er u. a. an der Entwicklung einer Friktionsbremse und einer Sicherheitskupplung mit und wurde zu Beratungen des Ver. dt. Eisenbahnverwaltungen und zu Stud.reisen nach Dtld., Belgien und England entsandt. Krankheitshalber vorzeitig i. R., habil. sich S. 1901 als Priv.Doz. für Eisenbahnmaschinenwesen und Eisenbahnbetrieb an der TH Wien. Zunächst Supplent, wurde er 1903 Hon.-Doz. für Eisenbahnbetriebsmittel, 1906 ao. Prof. und 1919 o. Prof. für Eisenbahnmaschinenbau (1923 i. R. und HR). Daneben war S. fachschriftsteller. tätig und wurde als Hrsg. des „Handbuchs des Eisenbahnmaschinenwesens“ (3 Bde., 1908) und der „Eisenbahnunfälle. Ein Beitrag zur Eisenbahnbetriebslehre“ (2 Bde., 1913, NF 1920) auch international bekannt. Von seinen Erfindungen wurde ein Zeitmesser bei einem internationalen Wettbewerb 1903 in Paris mit dem 2. Preis und einer Goldmedaille ausgez.; 1904 erzielte das System Umlauf, S. und Offermann bei einem Wettbewerb für eine Schleuse bei Prerau (Přerov) im Zuge des Donau-Oder-Kanalbaus ebenfalls den 2. Preis. S. war nichtständiges Mitgl. des österr. Patentamts, fungierte als Berater u. a. für das Handelsgericht und das Techn. Mus. Wien und war Juror und Vizepräs. der Gruppe Eisenbahnwesen auf der Weltausst. 1906 in Mailand. Ab 1926 lebte er mit seiner Tochter Selma (1885–1973) und seinem Schwiegersohn, dem Großindustriellen Otto Kasdorf, in Montevideo.

Weitere W.: Der Lokomotivbau in den Vereinigten Staaten von Amerika zur Zeit der Ausst. von St. Louis 1904, 1905; Bau und Einrichtung der Lokomotive, 1907. – Mitarb. an: V. Röll, Enc. des gesamten Eisenbahnwesens, 7 Bde., 1890–95, 2. Aufl. 1912–23; etc.
L.: NFP, 28. 9. 1929 (A.); Inauguration TH Wien 1929, 1930, S. 73ff. (m. B.); Techn. Literaturkal., 3. Ausg. 1929; A. Lechner, Geschichte der TH in Wien (1815–1940), 1942, s. Reg.; E. Preuß – R. Preuß, Lex. Erfinder und Erfindungen: Eisenbahn, 1986; TU, UA, Materialiensmlg. ÖBL, alle Wien.
(G. Luxbacher)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 61, 2009), S. 275f.
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