Stodola, Aurel (1859–1942), Techniker

Stodola Aurel, Techniker. Geb. Liptószentmiklós, Ungarn (Liptovský Mikuláš, Slowakei), 10. 5. 1859; gest. Zürich (Schweiz), 25. 12. 1942; evang. Sohn des Gerbers Andreas S. (1822–1898), des Gründers eines Gerbereibetriebs in Liptószentmiklós, der sich i. d. F. zu einem mittelgroßen Produktionsunternehmen für Lederwaren entwikkelte, Bruder von Emil und Kornel Milan S. (beide s. d.), Onkel des Dramatikers Ivan S. (1888–1977). – Nach Realschulbesuch in Leutschau (Levoča) und Kaschau (Košice) begann S. 1877 ein Stud. am Budapester Polytechnikum, das er in Zürich an der Univ. und ab 1878 am Eidgenöss. Polytechnikum fortsetzte und 1881 mit dem Maschinening.diplom abschloß. Danach absolv. S. ein zweijähriges Praktikum in der Maschinenfabrik der ung. Staatsbahnen in Budapest sowie Stud.aufenthalte in Berlin, Paris und London und half beim Wiederaufbau der 1883 durch einen Brand zerstörten väterl. Fabrik. Zunächst Konstrukteur in der Böhm.-Mähr. Maschinenfabrik in Prag, wechselte er 1886 zur Prager Maschinenbau AG vormals Ruston & Comp. Ab 1892 war er Prof. für Maschinenbau und Maschinenkonstruktion am Eidgenöss. Polytechnikum. Hier gab S. wichtige Impulse zur Erweiterung der Lehrpläne und zum Aufbau des damals modernsten Maschinenlabors Europas (1900 eröffnet), schuf die wiss. Grundlagen für die Weiterentwicklung von Dampfturbine und Verbrennungsmotor und gründete eine Stiftung zur Förderung der maschinen- und elektrotechn. Wiss. Neben seiner bis 1929 ausgeübten Lehrtätigkeit war S. Berater verschiedener Ind.betriebe. Noch 1939 leitete er die Abnahmeversuche an der weltweit ersten Gasturbine für Elektrizitätserzeugung bei Brown Boveri & Cie. (BBC) im schweizer. Baden. S. ist Autor des in mehrere Sprachen übers. Standardwerks „Die Dampfturbinen und die Aussichten der Wärmekraftmaschinen“ (1903, 6. Aufl.: „Dampf- und Gasturbinen“, 1924, Reprint 1986) und leistete mit seinen „Gedanken zu einer Weltanschauung vom Standpunkte des Ingenieurs“ (1931, 3. Aufl. 1932) einen wichtigen Beitr. zur Technikdiskussion. Abseits seines eigentl. Forschungsschwerpunkts entwickelte S. 1915 in Zusammenarbeit mit dem Chirurgen Ferdinand Sauerbruch eine Handprothese. S., der Berufungen an renommierte Hochschulen wie die Harvard Univ. ausschlug, erhielt u. a. vier Ehrendoktorate, die Grashof-Denkmünze des Ver. Dt. Ing. (1908) und die James-Watt-Medaille der brit. Institution of Mechanical Engineers (1940). Er war zudem Ehrenmitgl. zahlreicher wiss. Ges., u. a. der American Society of Mechanical Engineers. 1905 wurde er in Zürich eingebürgert.

Weitere W. (auch s. u. Schweizer. Bauztg.; Honegger): Über die Regulierung von Turbinen, in: Schweizer. Bauztg. 22, 1893; Die Kreisprozesse der Gasmaschine, in: Z. des Ver. Dt. Ing. 42, 1898; Zur Theorie der krit. Drehzahlen, in: Z. für das gesamte Turbinenwesen 17, 1920; Leistungsversuche an einer Gleichdruck-Gasturbine, in: BBC-Mitt. 27, 1940; etc.
L.: FS für Prof. Dr. A. S. zum 70. Geburtstag, ed. E. Honegger, 1929 (m. W.); P. Faber, in: BBC-Hausz. 1, 1942/43, S. 59 (m. B.); H. Quiby, in: Schweizer. Bauztg. 121, 1943, S. 73ff. (m. W.); ebd. 137, 1959, S. 20; J. Voda, A. S., 1959 (m. B.); Dictionary of Scientific Biography 13, 1976; Slovenský biografický slovník 5, 1992 (m. L.); Reprezentačný biografický lex. slovenska, ed. A. Maťovčík u. a., 1999 (m. B.); M. Feuchte, Praxisorientierte Technikwiss. Zur Gründung des Maschinenlaboratoriums am Zürcher Polytechnikum und dem Werk A. S.s, 2000; N. Lang, A. S. … Wegbereiter der Dampf- und Gasturbine, 2003 (m. B., auch für Andreas S.); S.-Archiv der ETH, Zürich, Hist. Archiv ABB Schweiz, Baden, beide Schweiz; Website ETH, Zürich, Schweiz (Zugriff 7. 9. 2009).
(N. Lang)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 61, 2009), S. 279f.
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