Stoeger (Stöger), Michael Franz (1796–1834), Jurist

Stoeger (Stöger) Michael Franz, Jurist. Geb. Wien, 22. 9. 1796; gest. Lemberg, Galizien (L’viv, Ukraine), 18. 1. 1834. Sohn eines Schneidermeisters, Vater von Josef S. (s. d.). – S. besuchte 1804–09 die Normal-Hauptschule bei St. Anna in Wien, anschließend bis 1814 das Schottengymn. Schon 1807 verdingte er sich daneben als Vorleser bei I. v. Sonnleithner, mit dessen Sohn Leopold (beide s. d.) ihn eine lebenslange Freundschaft verbinden sollte. Ab 1815 stud. er an der Univ. Wien Phil. Daneben hatte S. 1817 die Prüfung als Hauslehrer abgelegt und war als solcher bei mehreren adeligen Familien tätig. Ab 1818 stud. er Jus; 1820 Dr. phil. 1822–24 arbeitete S. als Auskultant beim Hofgericht des Schottenstifts. 1824 Dr. jur., wurde er mit der Supplierung der phil. Lehrkanzel an der Univ. Wien betraut, ehe er 1827–30 an die Univ. Lemberg ging, um den Lehrstuhl für Statistik zu übernehmen und daneben die Lehrkanzel für polit. Wiss. zu suppl. 1830 übernahm er diesen Lehrstuhl, während er seinen vorherigen nunmehr bis 1832 als Supplent betreute. Die Übersiedlung nach Galizien war auch der Beginn einer intensiven schriftsteller. Tätigkeit über das Land und insbes. über dessen jüd. Bevölkerung. S.s Hauptwerk war die zweibändige „Darstellung der gesetzlichen Verfassung der galizischen Judenschaft“ (1833), in der er die gesetzl. und gesellschaftl. Lage der Juden Galiziens beschrieb. Neben zahlreichen weiteren Artikeln über diese Bevölkerungsgruppe in den Z. „Oesterreichisches Archiv für Geschichte, Erdbeschreibung, Staatenkunde, Kunst und Literatur“, „Zeitschrift für oesterreichische Rechtsgelehrsamkeit und politische Gesetzkunde“, „Steiermärkische Zeitschrift“ oder der in Lemberg erscheinenden Z. „Mnemosyne“ publ. er in all diesen auch Artikel über Bevölkerungsstatistik, Natur und Wirtschaft des Landes. S. war daneben Mitgl. der Provinzialkomm. zur Beförderung der Ind. und des Handels sowie des Ossolineums und Ehrenkurator der Lemberger Sparkasse. 1833 fungierte er als Dekan der phil. Fak. der Univ. Die Fertigstellung eines von der österr. Regierung in Auftrag gegebenen Hdb. zur polit. Gesetzeskde. wurde durch seinen frühen Tod verhindert. Seine Arbeiten sind bis heute eine wichtige Quelle für statist. Informationen.

Weitere W.: s. u. PSB; Wurzbach.
L.: ADB; Finkel–Starzyński 1–2, s. Reg.; PSB (m. W. u. L.); Wurzbach (m. W.); A. Heimberger, in: Czasopismo Naukowe Zakładu Ossolińskich, 1834, S. 380ff.; S. Schnürr-Pepłowski, Cudzoziemcy w Galicji (1787–1841), 1898, S. 166ff.; Familienchronik der Familie S., ed. H. Stöger, 1904, S. 5ff. (m. B.); Historia nauki polskiej 3, red. J. Michalski, 1970; G. Marinelli-König, Polen und Ruthenen in den Wr. Z. und Almanachen des Vormärz (1805–48), 1992, s. Reg.; Mitt. Marta Nadraga, L’viv, Ukraine.
(Ch. Mentschl – E. Orman – K. Weisswasser)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 61, 2009), S. 290f.
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