Stoerk, Felix Otto (1851–1908), Rechtswissenschaftler

Stoerk Felix Otto, Rechtswissenschaftler. Geb. Ofen (Budapest, Ungarn), 20. 10. 1851; gest. Greifswald, Preußen (Dtld.), 18. 1. 1908; mos., später röm.-kath. Bruder von Carl, Onkel von Oskar S. (beide s. d.). – S. absolv. das Gymn. in Ofen und stud. ab 1870 Jus an der Univ. Wien; 1875 Dr. jur. Nach Stud.aufenthalten in Berlin (1877) und Paris (1878) habil. er sich 1879 an der rechts- und staatswiss. Fak. der Univ. Wien und erhielt die Venia legendi für Völkerrecht. Er lehrte dort 1879–82 zunächst als Privat-, ab 1881 als Hon.-Doz. (für ung. Recht). 1882 ao. Prof. für Öff. Recht, v. a. Staatsrecht, Völkerrecht und Rechtsphil., an der Univ. Greifswald; 1888 o. Prof. für Öff. Recht. 1902–03 Rektor; 1906 Geheimer Justizrat. S. widmete sich in erster Linie dem Staatsrecht und seinen Grundlagen sowie dem Völkerrecht (insbes. dem Seerecht), daneben auch der Rechtsphil. Bleibende Verdienste erwarb er sich in der dt. Staatsrechtswiss. durch seine Untersuchung „Zur Methodik des öffentlichen Rechts“ (1885, 1996 unter dem Titel „Über die juristische Methode“ neu hrsg.), ebenso ab 1885 durch die Hrsg. und Red. der Z. „Archiv für Öffentliches Recht“ (gem. mit Paul Laband), einer seit dem späten K.reich führenden jurist. Z. Von bleibendem Wert ist zudem seine Smlg. der Verfassungen des Reichs und seiner Länder („Handbuch der deutschen Verfassungen“, 1884, 2. Aufl. 1913). Der Schwerpunkt von S.s Wirken liegt jedoch auf dem Völkerrecht und schlug sich in eingehenden Beitrr. in Hdbb. (wie etwa im „Handbuch des Völkerrechts“, ed. Franz v. Holtzendorff, 1887) nieder. Ferner übernahm S. 1887 die Hrsg. und Bearb. von Georg Friedrich v. Martens „Nouveau Recueil général de traités et autres actes relatifs aux rapports de droit international“, des größten Quellenwerks der modernen Völkerrechtswiss. 1895 wurde er Mitgl. des Inst. de Droit International in Gent, 1906 dessen Vizepräs. Bekannt sind darüber hinaus seine Stud. zum internationalen See- und Schiffahrtsrecht. Für seine wiss. Leistungen erfuhr S. zahlreiche Ehrungen; er war u. a. Träger des preuß. Roten Adlerordens.

Weitere W.: s. u. Winkler 1996 und 1999.
L.: Hdb. jüd. AutorInnen; Kosel 2; Wininger; L. v. Bar, in: Z. für Völkerrecht und Bundesstaatsrecht 2, 1908, S. 417f.; (P.) Laband, in: Dt. Juristen-Ztg. 13, 1908, Sp. 174f.; C. Sartorius, in: Archiv für Öff. Recht 23, 1908, S. Iff.; L. Strisower, in: Z. für Internationales Privat- und Öff. Recht 18, 1908, S. 446ff.; G. Winkler, Über die jurist. Methode, ed. ders., 1996 (m. W.); ders., in: Die Rechtswiss. als empir. Staatswiss., 1999, S. 1ff. (m. W.).
(W. März)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 61, 2009), S. 297
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