Stojaković (Stojakovits), Georg (Djordje) von (1810–1863), Jurist

Stojaković (Stojakovits) Georg (Djordje) von, Jurist. Geb. Palánka, Ungarn (Bačka Palanka, Serbien), 1810; gest. Wien, 28. 11. 1863; griech.-oriental. Nach Abschluß des Gymn. in seiner Heimatstadt stud. S. Jus an der Univ. Pest, 1833 Dr. jur., und ließ sich in Pest (Budapest) als Advokat nieder. 1836 erhielt er die Befähigung zur Ausübung der Advokatur, 1841 wurde er auch Wechseladvokat für Pest. Als Rechtsvertreter des serb. Fürsten Miloš Obrenović, der 1842 ins Exil gehen mußte, führte er dessen Prozesse gegen die nunmehrige serb. Regierung. 1848 nahm er sowohl am Slawenkongreß in Prag als auch an der serb. Volksversmlg. in Karlowitz (Sremski Karlovci) teil, bei seiner Rückkehr nach Pest ließ ihn die ung. Regierung jedoch festnehmen und mehrere Wochen in Gewahrsam halten. Im September 1848 ging S. als Justizreferent nach Semlin (Belgrad) und wurde nach einem Jahr vom Wr. Innenmin. in die Gesetzgebungskomm. für die serb. Wojwodschaft und das Temeser Banat berufen. 1850 wurde S. zu den Beratungen über die Strafprozeßordnung und die Gesetzgebung der ehemaligen ung. Kronländer herangezogen und gleichzeitig mit der Organisation und Administration von Wojwodschaft und Banat befaßt. Nach kurzer Einberufung in das Wr. Justizmin. wurde er im Oktober als Mitgl. der Gerichtseinführungskomm. mit der Einrichtung der Gerichtsbehörden in Wojwodschaft und Banat betraut. Ab September 1852 fungierte S. als Vors. des 2. Senats am Oberlandesgericht in Temeswar (Timişoara). Daneben war er 1853 in der Grundentlastungskomm. für die serb. Wojwodschaft und das Temeser Banat tätig. 1856–58 HR beim Obersten Gerichtshof in Wien, wurde S. i. d. F. Referent der jurid. Abt. der ung. Hofkanzlei. In dieser Funktion konnte er wesentl. Initiativen zur Verbesserung des ung. Justizwesens setzen. Einen letzten Höhepunkt seiner polit. Tätigkeit bildete seine Teilnahme als Vertreter der serb. Konservativen am Serbenkongreß in Karlowitz im April 1861, auf dem über die vom K. angeordnete Rückführung der Wojwodina an Ungarn beraten wurde. S. hatte das Programm der Konservativen entworfen, das eine gegenüber Österr. loyale Position beinhaltete. Obwohl seine Vorstellungen am Ende des Kongresses durchgesetzt werden konnten, scheiterten die Wünsche der serb. Konservativen im weiteren Verlauf an der Haltung der Ungarn. 1854 erhielt S. den Orden der Eisernen Krone III. Kl., 1856 wurde er in den Ritterstand erhoben.

L.: FB, 30. 11., WZ, 1., Groß Becskereker Wochenbl., 5. 12. 1863; Enc. Jug.; Wurzbach; Glasnik dalmatinski 16, 1864, Nr. 3, [S. 4]; M. Dumný, in: Praha. Illustrovaný československý časopis pro zábavu a poučení 23, 1867, S. 353 (m. B.); G. v. Stratimirovic, Was ich erlebte, ed. L. v. Stratimirovic, 1911, S. 129ff.; H. Haselsteiner, Die Serben und der Ausgleich, 1976, s. Reg.; AVA, Wien.
(Ch. Mentschl – M. Petz-Grabenbauer)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 61, 2009), S. 303f.
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