Stojan, Antonín Cyril (1851–1923), Erzbischof und Politiker

Stojan Antonín Cyril, Erzbischof und Politiker. Geb. Benow, Mähren (Beňov, Tschechien), 22. 5. 1851; gest. Olmütz, Tschechoslowakei (Olomouc, Tschechien), 29. 9. 1923; röm.-kath. Sohn eines Kleinbauern. – S. besuchte. 1864–72 das Piaristengymn. in Freiberg (Příbor) und Kremsier (Kroměříž), wo er auch die Matura ablegte. 1872–76 stud. er Theol. in Olmütz, 1876 Priesterweihe, 1896 Dr. theol. in Olmütz. 1876–88 war S. Kaplan in verschiedenen mähr. Pfarren, ehe er 1888–1908 als Pfarrer in Dražowitz (Dražovice) amtierte. S., der Anfang der 1870er Jahre die Jednota Velehrad reaktivierte, die Velehradská jednota literární gründete und, getragen vom Gedanken einer panslaw. Kirchenunion, slaw. Theologenkongresse organisierte, gilt als Erneuerer des Welehrader Cyrill- und Method-Kults. 1892 gründete S. das Cyrill- und Method-Apostolat als Zentrum für die kath. Geisteserneuerung und Grundlage für die Missions- und Wiss.arbeit; als Organ diente die von ihm gegr. und red. Z. „Věstník Matice cyrilometodějské“. Zur Errichtung eines Exerzitienzentrums und eines Mus. auf dem Welehrad rief er 1902 die Welehrad-Genossenschaft in Olmütz ins Leben. Ab 1907 leitete er den Cyrill- und Method-Preßver., um für die Missionstätigkeit im Ausland zu werben. 1907, 1909, 1911, 1921 und 1922 organisierte S. außerdem große internationale Unionskongresse. 1909 gründete er die Akad. velehradská, um die Vereinigung von Katholiken und Orthodoxen zu fördern, sowie 1916 das Cyrill- und Method-Inst. zur Ausbildung slaw. Missionare. Gleichzeitig bemühte sich S., die Marienwallfahrtsstätte am Berg Hostein (Hostýn) zu revitalisieren, und leitete den 1895 gegr. Hl. Hostinsver. Im August 1908 wurde er als nicht residierender Domherr des Olmützer Metropolitankapitels und Propst des Kollegiatkapitels nach Kremsier (Kroměříž) versetzt. Ab 1918 residierender Domherr in Olmütz, 1920 Kapitelvikar, war er 1921–23 Erzbischof von Olmütz. Als Mitgl. des Landesschulrats machte er sich um das mähr. Schulwesen verdient. Neben seiner pastoralen und organisator. Tätigkeit war S. auch polit. aktiv. Schon in den 1880er Jahren gründete er den Ver. kath. Gesellen und war als stellv. Vors. des Kath.-polit. Ver. in Freiberg tätig. 1896 Mitbegründer und leitendes Mitgl. der Kath. Nationalpartei, 1897–1918 RR-Abg., gehörte er 1901–18 mit einer Unterbrechung dem mähr. LT an. Nach 1918 war er Abg. der Revolutionären Nationalversmlg. und vertrat ab 1920 die von ihm mitbegründete Tschechoslowak. Volkspartei im Senat. Aufgrund seines sozialen und volksbildner. Engagements erfreute sich „Papa S.“ großer Beliebtheit in der Bevölkerung. 1985 wurde der Seligsprechungsprozeß eröffnet.

Weitere W.: s. u. Luft.
L.: Bautz; Hanzalová; LThK; Masaryk; Otto; Otto, Erg.Bd.; A. Jašek – J. Staněk, Msgr. Th. Dr. A. C. S. …, 1911 (m. B.); F. Cinek, Arcibiskup dr. A. C. S., 1933; B. Zlámal, A. C. S., 1972; F. Vymětal u. a., Apoštol křesťanské lásky a jednoty církve. Život a dílo Dr. A. C. S., 1988; Z. Pospíšil, Sluha Boží A. C. S., 1993; A. Šuránek, Světlo z Beňova, 1994; Biografický slovník Slezska a severní Moravy 3, 1995; Z. Libosvar, Arcibiskup S., 1995; J. Tomeš u. a., Český biografický slovník XX. stoleti 3, 1999; R. Luft, Parlamentar. Führungsgruppen und polit. Strukturen in der tschech. Ges. 1907–14, 2001 (m. W. u. L.); J. Hanuš, Malý slovník osobností českého katolicismu 20. století, 2005; P. Marek, in: Osobnosti moravských dějin 1, 2006, S. 383ff. (m. B.); ders., in: Osobnost v církvi a politice, 2006, S. 122ff.; M. Pehr u. a., Cestami křesťanské politiky, 2007, S. 245f.; Státní Archiv Opava, Zweigstelle Olomouc, Tschechien.
(P. Marek)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 61, 2009), S. 304f.
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