Stokes (Stokes-Preindlsberger), Marianne; geb. Preindlsberger (1855–1927), Malerin und Zeichnerin

Stokes (Stokes-Preindlsberger) Marianne, geb. Preindlsberger, Malerin und Zeichnerin. Geb. Graz (Stmk.), 19. 1. 1855; gest. London, Großbritannien, 13. 8. 1927. Tochter eines Buchhändlers, ab 1884 verehel. mit dem Maler und Zeichner (Charles) Adrian Scott S. (geb. Southport, Großbritannien, 23. 12. 1845; gest. London, 30. 11. 1935). – Nach privatem Zeichenunterricht besuchte S. die Zeichnungs-Akad. bei H. A. Schwach (s. d.) und bildete sich 1874–79 in München u. a. bei Georg v. Hackl, Wilhelm v. Lindenschmidt und Georg Seitz weiter. 1880 für einige Monate bei Léon Bonnat und Jean Léon Gérôme an der Pariser Acad. Trélat, stud. sie ab 1882 u. a. bei Gustave Courtois und Raphaël Collin an der Acad. Colarossi und war 1884 erstmals im Pariser Salon vertreten. Während ihrer Stud.reisen in die Bretagne lernte sie Adrian S. kennen und übersiedelte mit ihm nach London, wo S. seitdem regelmäßig ausstellte (u. a. Fine Art Society, Grosvenor Gallery, New Gallery, Royal Acad.). 1886–99 lebte das Ehepaar in St. Ives und schloß sich der Newlyn Group an; ein Besuch der Künstlerkolonie in Skagen, Reisen nach Irland, Neapel und Capri, in die Karpaten sowie ein längerer Aufenthalt in Holland folgten. S.’ Frühwerk ist in Stil und Inhalt von den Landschafts- und Genrebildern des französ. Realismus beeinflußt. Von den Präraffaeliten inspiriert, entdeckte sie in den 80er Jahren ein Gefühl für dekorative Bildqualitäten. Aus der Begeisterung für die Kunst des Mittelalters und der italien. Renaissance resultierte auch die Hinwendung zur Temperamalerei im Stil der Birmingham Group. Flächigkeit, Buntfarbigkeit, strenge Konturen und graph. Linien, stilisierte Posen und Gestik, die Liebe zum Detail und die ruhige Versenkung der Figuren formen ihren Stil. S.’ Œuvre umfaßt Porträts, religiöse, romant.-märchenhafte, literar. und mytholog. Sujets mit dem Thema der Kindheit als wiederkehrendem Motiv. Sie erhielt mehrere Preise und war Mitgl. zahlreicher Künstlervereinigungen, so ab 1887 der Society of Women Artists und ab 1923 der Royal Watercolour Society. Ihre Arbeiten befinden sich u. a. im Wallraf-Richartz-Mus. (Köln), in der National Portrait Gallery, Tate Gallery (beide London), im Nottingham City Mus. and Galleries (Nottingham), im Mus. d’Orsay (Paris) und in der Art Gallery of New South Wales (Sydney).

W.: s. u. Evans, 1996, 2009; etc. – Publ.: Hungary, 1909 (gem. m. Adrian S.); etc.
L.: WZ, 3. 9. 2004; Fuchs, Erg.Bd.; Thieme–Becker; H. Ford, in: The Studio 19, 1900, S. 149ff.; W. Meynell, in: The Art Journal, 1900, S. 193ff.; ders., in: The Magazine of Art, 1901, S. 241ff.; H. Ludwig u. a., Münchner Maler im 19. Jh. 4, 1983; The Last Romantics, ed. J. Christian, London 1989, S. 124 (Kat.); M. Evans, Hungarian Journeys, London–Budapest 1996 (Kat.); S. Houfe, The Dictionary of 19th Century British Book Illustrators and Caricaturists, 2. Aufl. 1996; Dictionary of Women Artists 2, 1997; M. Evans, Utmost Fidelity: The Painting Lives of M. & Adrian S., Wolverhampton 2009 (Kat.).
(G. Fischer)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 61, 2009), S. 307
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