Stolz, Teresa (Tereza, Teresina) (1834–1902), Sängerin

Stolz Teresa (Tereza, Teresina), Sängerin. Geb. Elbekosteletz, Böhmen (Kostelec nad Labem, Tschechien), 2. 6. 1834; gest. Mailand (Milano, Italien), 22. 8. 1902; röm.-kath. Tochter eines Fleischermeisters, Schwester des Militärkapellmeisters Antonín S. (geb. Elbekosteletz, 17. 12. 1818; gest. ebd., 1. 5. 1878), der ca. 1860–70 als Musiklehrer in Odessa (Odesa) wirkte, der Zwillinge und Sopranistinnen Ludmila (Lidia), ab 1849 verehel. Ricci (geb. Elbekosteletz, 13. 2. 1826; gest. Mailand, um 1910, angebl. ermordet), und Františka (gest. vermutl. Florenz/Firenze, Italien, um 1900), des Theaterunternehmers und Oboisten Václav (geb. Elbekosteletz, 8. 8. 1828; gest. Swojetitz, Böhmen / Svojetice, Tschechien, 12. 11. 1908) und des Waldhornisten František S. (Elbekosteletz, 7. 3. 1837; gest. Swojetitz, 23. 9. 1912), Schwägerin von L. Ricci (s. d.). – S. stud. 1849–51 bei Giovanni Gordigiani Gesang am Konservatorium in Prag, setzte ihr Stud. aber krankheitsbedingt 1852–55 an einer Privatschule fort. Nach einem mißglückten Konzertabend verließ sie Prag und trat dort nie wieder auf. 1855 ging sie nach Triest, wo Václav S. das Teatro Grande gepachtet hatte, 1856/57 stud. sie bei Francesco Lamperti in Mailand. Anschließend war S. bis 1863 Primadonna einer italien. Theaterges. in Tiflis – mit Unterbrechung in der Saison 1860/61, in der sie mit Antonín S. und F. Ricci (s. d.) bei italien. Ges. in İstanbul, Moskau und St. Petersburg gastierte. Nach Italien zurückgekehrt, trat sie vier Jahre als Gast ohne Engagement auf (1865 erstmals an der Mailänder Scala). Im August 1867 lernte sie Verdi kennen, dessen Freundin und Interpretin sie werden sollte, und beschränkte i. d. F. ihr Repertoire mit kleinen Ausnahmen auf seine Musik. Sie sang die Elisabeth in der Urauff. des „Don Carlos“ in Bologna 1867 und die Leonore in der Urauff. der revidierten Fassung von „La forza del destino“ an der Mailänder Scala 1869. Verdi hielt sie für die beste Interpretin seiner späteren Werke, insbes. der heroischen Rollen. Er komponierte (Amelia in „Un ballo in maschera“, Sopransolo in „Messa da Requiem“) und revidierte für sie auch ältere Werke (u. a. „Aida“, 1872). 1876 setzte eine chron. Stimmbändererkrankung ihrer Karriere ein Ende. Um 1886 knüpfte S. wieder Kontakte nach Böhmen und vermittelte zwischen Verdi und dem Prager tschech. Nationaltheater. Nach dem Tod Giuseppina Strepponis, der Gemahlin Verdis, betreute S. den kranken Komponisten. Sie wurde in Mailand auf dem Cimitero Monumentale neben bedeutenden italien. Persönlichkeiten beigesetzt.

L.: ČHS; Enc. dello spettacolo; Grove, 1980 (m. B.), 2001; Grove, Opera; Kosch, Theaterlex.; Kutsch–Riemens, 4. Aufl. 2003; Ludvová (m. L.); MGG, 2006; Neuer Theater-Almanach 14, 1903, S. 167; G. Verdi, Autobiografia dalle lettere, 1941, s. Reg.; U. Zoppi, A. Mariani, G. Verdi e T. S., 1947 (m. B.); S. Jareš, in: Hudební věda 22, 1985, S. 268ff. (m. B.); Pipers Enz. des Musiktheaters, ed. K. Dahlhaus – S. Döhring, 1986–97, s. Reg.bd.; O. Špecinger, T. S., 1992; J. Budden, Verdi, 2. Aufl. 2000, s. Reg. (m. B.); Verdi-Hdb., ed. A. Gerhard – U. Schweikert, 2001, s. Reg.; Materialiensmlg. ÖBL, Wien (auch für die anderen Familienmitgl.).
(J. Ludvová)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 61, 2009), S. 319f.
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