Storno, Ferenc d. Ä. (1821–1907), Maler, Architekt, Restaurator und Kunstsammler

Storno Ferenc d. Ä., Maler, Architekt, Restaurator und Kunstsammler. Geb. Kismarton, Ungarn (Eisenstadt, Bgld.), 20. 2. 1821; gest. Ödenburg (Sopron, Ungarn), 29. 1. 1907; röm.-kath. Die Familie stammte aus der Schweiz. Vater von Ferenc d. J. und Kálmán S. (beide s. u.). – S. wurde im bayr. Landshut erzogen und erlernte ursprüngl. den Beruf eines Rauchfangkehrers; seine zeichner. Kenntnisse erwarb er autodidakt. 1845 ließ er sich in Ödenburg nieder, wo er bei Károly Steinacker Malunterricht nahm und 1848 eine Werkstatt eröffnete. 1853 lernte er F. v. Amerling (s. d.) kennen, der ihm zu zahlreichen Aufträgen durch die österr. Aristokratie verhalf (Entwürfe für Schloß Grafenegg, Tafelaufsatz für Erzhg. Leopold, 1858, Entwürfe für Gebrauchs- und Einrichtungsgegenstände, meist in got. Stil). Durch Amerling kam er auch in Kontakt mit Experten des Wr. Denkmalschutzes und wurde Anfang der 50er Jahre in die damals beginnenden Arbeiten der österr. Denkmalpflege einbezogen; 1857 Korrespondent der Central-Comm. zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale. Durch seine Wr. Beziehungen erhielt S. den Auftrag für seine erste Restaurationsarbeit, die St. Michael-Kirche in Ödenburg, 1862–66. 1868 begann er eine seiner großangelegten Arbeiten, die Restaurierung der Gruft der Benediktinerabtei von Pannonhalma, 1870–75 folgten weitere Tle. des Gebäudes. Mit Aufnahmen von mittelalterl. Denkmälern in Ungarn und Siebenbürgen hatte S. – ab 1863 im Auftrag des Archäolog. Komitees der MTA – einen erhebl. Anteil am ung. Denkmalschutz. Im Auftrag von Rómer (s. d.) und Arnold Ipolyi beteiligte er sich in den 1870er und 80er Jahren an Forschungs- und Dokumentationsarbeiten bzw. Restaurierungen von Kirchen in Oberungarn. S. arbeitete im Sinn des romant. Historismus: Bei den Bau- und Restaurierungsarbeiten wählte er für sakrale Gebäude den roman. und got. Stil, für Schlösser und Villen meistens den Renaissance- und Barockstil. Geleitet von den damaligen purist. Prinzipien des Denkmalschutzes, war er bemüht, die Stileinheit got. Bauwerke zu verwirklichen: Barocke Einrichtungen und Fresken wurden durch eigene, in got. Stil entworfene Werke ersetzt. In seinen Altarbildern, Fresken und Fensterglasentwürfen stand er als Maler den Nazarenern nahe. In seinem – gem. mit seinen Söhnen geführten – Atelier entwarf und fertigte er verschiedenste Kunstgegenstände und prägte damit die kirchl. Ausstattungskunst Ungarns im 19. Jh. Daneben sammelte S. in seiner mit selbstentworfenen historisierenden Interieurs ausgestatteten Wohnung in Ödenburg ab den 50er Jahren Antiquitäten. S. wurde 1864 Korrespondent des Mus. für Kunst und Ind., 1886 Mitbegründer der Archäolog. Ges. des Kom. Sopron; 1876 Ritter des Franz Joseph-Ordens. Sein Sohn, der Maler und Kunstsammler Ferenc S. d. J. (geb. Ödenburg, 6. 11. 1851; gest. ebd., 5. 6. 1938; röm.-kath.), stud. 1868–71 an der Wr. ABK Historienmalerei und bildete sich 1873–74 an der Gewerbeschule in Nürnberg bei dem Architekten Georg Eberlein in got. Architektur weiter. Nach seiner Rückkehr arbeitete er als Maler und Zeichner und führte gem. mit seinem Vater Restaurationen von Denkmälern durch. Sein erster größerer Auftrag war die Wiederherstellung der Kirche in Oggau; zu seinen weiteren Arbeiten zählen u. a. die Ausmalung und Restaurierung der Hl. Johannes-Kirche (1890) in Ödenburg und die Ausmalung der St. Anna-Kirche in Gran (Esztergom). Seine Bilder zeigte Ferenc S. d. J. auf verschiedenen Landesausst. sowie in Wien und München. Bes. Bedeutung erlangte er durch seine Dokumentationen der Ausgrabungen in und um Ödenburg, die eine wichtige Quelle für die frühen örtl. archäolog. Tätigkeiten darstellen. Die von seinem Vater angelegte Kunst- und Antiquitätensmlg. wurde von ihm ständig erweitert und katalogisiert. Ferenc S. d. J. wirkte auch an der Planung und Ausmalung des Interieurs des S.-Hauses in Ödenburg sowie an der Ausstattung des S.-Ateliers mit. Sein Bruder Kálmán (Koloman) S. (geb. Ödenburg, 8. 2. 1858; gest. Graz, Stmk., 18. 7. 1934; röm.-kath.) stud. nach der Realschule 1877–80 an der Wr. ABK Architektur bei F. Frh. v. Schmidt (s. d.). Nach Ödenburg zurückgekehrt, trat Kálmán S. in das väterl. Atelier ein und unterstützte seinen Vater bei zahlreichen Restaurierungen.

Weitere W.: Umbau von Schloß Našice, 1862–71; Arbeiten für: Jakobskirche, 1872 (Levoča), Zápolyakapelle, 1873/74 (Spišské Podhradie), Domkirche, 1876 (Banská Bystrica), Kirche der Hl. Jungfrau, 1877/78 (Nitra); Schloßkapelle, 1878–81 (Alcsút); Ausmalung des Doms zu Oradea, 1879–80; Kirche der Benediktinerabtei, 1882/83 (Hronský Beňadik); Burgkirche, 1883–86 (Kremnica); etc. – Illustrationen für Gewerbe-Kunstbl., 1858ff.
L. (meist auch für Ferenc d. J. und Kálmán S.): M. Életr. Lex.; Művészeti Lex. I, II; Révai; Thieme–Becker; Wurzbach; M. Storno, in: Soproni Szemle 6, 1942, S. 184ff.; E. Csatkai, A soproni műgyűjtés története, 1958, S. 14ff.; P. Storno, A soproni S.-ház., 1960; É. Askercz, in: Arrabona 22–23, 1980–81, 1986, S. 71ff.; G. Gabrieli, ebd. 24–25, 1982–83, 1988, S. 63ff.; Slovenský biografický slovník 5, 1992; É. Askercz, in: Soproni Szemle 47, 1993, S. 308ff.; dies., ebd. 48, 1994, S. 362ff.; dies., in: Arrabona 34, 1995, S. 99ff.; dies., in: Acta Historiae Artium 38, 1996, S. 191ff.; dies., in: Tanulmányok Csatkai E. emlékére, ed. A. Környei u. a., 1996, S. 319ff.; dies., Sopron and around: a selection from F. S. senior’s sketchbooks 1845–60, 1998; Magyar múz. arcképcsarnok, 2002; Magyar Nagylex. 16, 2003; Új magyar életrajzi lex. 5, 2004; ABK, Wien.
(E. Buzási)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 61, 2009), S. 330f.
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