Stożek, Włodzimierz Antoni (1883–1941), Mathematiker

Stożek Włodzimierz Antoni, Mathematiker. Geb. Mosty Wielkie, Galizien (Velyki Mosty, Ukraine), 23. 7. 1883; gest. Lemberg, Generalgouvernement (L’viv, Ukraine), 4. 7. 1941 (ermordet). Ab 1910 verehel. mit Emilianna (Anna) Chwistek, der Schwester des Malers, Mathematikers und Kunsttheoretikers Leon Chwistek (1884–1944). – Nach Besuch des Gymn. in Krakau (Kraków) stud. S. 1901–05 Mathematik an der Univ. Krakau, u. a. bei Stanisław Zaremba, Kaziemierz Stephan Paulin Żorawski, Natanson (s. d.) und August Viktor Witkowski; 1906 Lehramtsprüfung für Mathematik und Physik für Mittelschulen. Kurze Zeit unterrichtete er am neu gegr. 5. Gymn. in Krakau, 1906–08 stud. er Mathematik an der Univ. Göttingen. 1908–22 wirkte S. als Lehrer am Gymn. St. Jacek in Krakau, daneben hielt er mathemat. Vorlesungen an der Univ. Außerdem war er 1919 Ass. und 1920–21 Oberass. an der neu gegr. Hochschule für Bergbau; 1922 Dr. phil. der Univ. Krakau, wurde er im selben Jahr zum ao. Prof. für Mathematik an der TH Lemberg ernannt, wo er Vorlesungen an der Allg. Fak. (1925–33 auch Kurator der Studentenvereinigung sowie 1926–29 und 1932/33 Dekan; 1934 kam es unter S.s Ägide zur Auflösung der Allg. Fak.) sowie an der Fak. für Wasserbau und für Mechanik hielt; 1926 o. Prof. am 1. Lehrstuhl für Mathematik an der Fak. für Hoch- und Wasserbau (Dekan 1930/31). Nach der Besetzung von Lwów (L’viv) durch die Rote Armee 1939 unterrichtete S. an dem von den Sowjets eingerichteten Polytechn. Inst. Einige Tage nach dem Einmarsch der dt. Truppen Ende Juni 1941 wurde er gem. mit seinen Söhnen Eustachy (1912–1941) und Emanuel S. (1916–1941) verhaftet und mit einer Gruppe von Prof. der Lemberger Hochschulen erschossen. Wiss. befaßte sich S. mit der Theorie der analyt. Funktionen, mit Integralrechnungen und der Theorie des Potentials sowie mit Elementen der höheren Mathematik. Gem. mit Stefan Banach, Wacław Sierpiński und Władysław M. Nikliborc verf. er Schulbücher für den Mathematikunterricht an Haupt-, Mittelschulen und Gymn., die in der Zwischenkriegszeit sehr verbreitet waren. Hervorzuheben sind seine Publ. „Sur l’allure d’une fonction harmonique dans le voisinage d’un point exceptionnel“ und „Sur les potentiels logarithmiques des doubles couche“ in den „Comptes rendus hebdomadaires des séances de l’Académie des Sciences“ (Bd. 180, 1925, bzw. Bd. 197, 1933, gem. mit Nikliborc).

Weitere W.: s. u. PSB.
L.: PSB (m. W. u. L.); Materialiensmlg. ÖBL, Wien; Mitt. Martha Nadraga, L’viv, Ukraine.
(S. T. Sroka – K. Weisswasser)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 61, 2009), S. 336
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