Stradner, Josef (1852–1907), Lehrer und Geistlicher

Stradner Josef, Lehrer und Geistlicher. Geb. St. Anna (St. Anna am Aigen, Stmk.), 4. 3. 1852; gest. Graz (Stmk.), 12. 10. 1907; röm.-kath. Bruder von Alois S. (s. d.). – Nach Absolv. der Hauptschule in Graz besuchte S. ab 1864 das Fürstbischöfl. Knabenseminar und legte als Privatist die Matura am Staatsgymn. in Graz ab. 1871–74 stud. er Theol. an der Univ. Graz, 1874 Priesterweihe. Seine erste Anstellung erhielt er 1875 als Kaplan in Stainz, wo er neben seiner Tätigkeit als Seelsorger auch zahlreiche Artikel über Sitten, Bräuche und Traditionen für das „Grazer Volksblatt“ verf. 1876 wechselte er als Präfekt und Lehrer für Latein, Griech. und Dt. an das Fürstbischöfl. Knabenseminar. 1876–77 stud. S. als ao. Hörer, ab 1877 als o. Hörer klass. Philol., Epigraphik, klass. Archäol., dt. Literatur, Phil. und Pädagogik an der Univ. Graz. 1885 erwarb er die staatl. Lehrbefähigung für klass. Philol. und absolv. 1885–86 sein Probejahr am 2. Grazer Staatsgymn. 1887 zum Regens ernannt, übernahm er gleichzeitig das Amt des Dir. des Knabenseminars, wo er die Marian. Kongregation einführte. S. erwirkte die seit 1881/82 angestrebte Umgestaltung der Privat-Hauslehranstalt in ein Gymn. mit Öffentlichkeitsrecht, an dem auch Maturitätsprüfungen abgehalten werden durften. Er initiierte eine baul. Vergrößerung, Adaptierung und Modernisierung des Schulgebäudes, die durch die wachsende Schülerzahl bedingt waren. Dennoch blieb er seinen seelsorger. und karitativen Pflichten treu. 1892 Ehrendomherr, 1900 Domherr. Als Diözesandir. des Ver. der Priester der Anbetung des Allerheiligsten engagierte er sich auch in der eucharist. Bewegung. Darüber hinaus unterstützte er als Obmannstellv. den Preßver. der Diözese Seckau, war Diözesanpräses der Associatio Perseverantiae Sacerdotalis und förderte den auf karitativem Gebiet tätigen St. Vinzenz-Ver.

W.: Ed.: Die erste Eucharist. Versmlg. in Graz am 7. Mai 1896 ..., 1897; etc.
L.: Korrespondenz der Associatio Perseverantiae Sacerdotalis 28, 1907, S. 150ff.; F. Vockenhuber, in: Jahresber. des … fürstbischöfl. Gymn. am Seckauer Diözesan-Knabenseminar Carolinum-Augustineum 1907/08, 1908, S. 3ff.; Ehrenbuch steir. Priester, 1920, S. 62ff. (m. B.); M. Liebmann, Die Domherren von Graz-Seckau 1886–1986, 1987, s. Reg.; UA, Graz, Stmk.
(D. Angetter)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 61, 2009), S. 341
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