Straganz, P. Max (Josef) (1865–1936), Historiker, Lehrer und Geistlicher

Straganz P. Max (Josef), OFM, Historiker, Lehrer und Geistlicher. Geb. Dölsach (Tirol), 26. 4. 1865; gest. Hall (Hall in Tirol, Tirol), 14. 2. 1936; röm.-kath. Bauernsohn. – Nach Besuch des Franziskanergymn. in Bozen (Bolzano) ab 1877 und Matura in Hall trat S. 1883 in den Franziskanerorden ein, absolv. sein Noviziat im Kloster Salzburg und erhielt die phil.-theol. Grundausbildung durch Hausstud. 1884–86 in Bozen und Hall. 1886–89 stud. S. Geschichte und Geographie an der Univ. Innsbruck, um 1889–90 seine theol. Ausbildung im Kloster Kaltern zu vollenden, 1888 Priesterweihe. Ab 1890 unterrichtete S. Geschichte und Geographie am Gymn. in Hall, ab 1893 als def. Prof.; 1927 trat er i. d. R. 1921 Schulrat, 1934 Stud.rat. Neben seiner Lehrtätigkeit trat S. auch als Historiker hervor, wobei er sich vielfach auf die Vorarbeiten und Materialien von P. Justinian Ladurner (s. d.) stützen konnte. Nach mehreren Artikeln in Fachz. und einer Biographie von Josef Ignaz Straub, 1898, folgte der erste Bd. der Stadtgeschichte von Hall (1903). Zwei weitere geplante Bde. kamen nicht zur Ausführung, auch weil S. sich nun über Vermittlung von Pastor v. Camperfelden (s. d.) im Auftrag der Leo-Ges. gänzl. der Hrsg. (gem. mit Wilhelm Felten und P. Fischer) einer „Illustrierten Weltgeschichte in 4 Bänden“ widmete, für die er die letzten beiden Bde. im Sinne einer österr. Geschichtsschreibung überarb. sollte. Mit der Schrift „Mitteltirol, deutsches Gebiet“ (1919) gehörte er zu den Verteidigern des Dt.tums in Südtirol. Seine wiss. Spannweite manifestiert sich u. a. in der Stud. „Zur Geschichte der ‚Stoß ins Herz-Depesche‘ des Grafen Usedom ...“, 1922, über einen Aspekt der Außenpolitik Bismarcks. S.’ Schaffen umfaßt ferner ca. 140 Aufsätze – viele davon auf Quellenmaterial basierend –, die sich v. a. mit der Ordensgeschichte sowie mit der Tiroler Landeskde. beschäftigen und die etwa in den „Forschungen und Mitteilungen zur Geschichte Tirols und Vorarlbergs“ erschienen. S., ab 1907 Prov.chronist der Franziskaner, betreute ab 1917 das Prov.archiv und wurde 1923 Red. der Z. „Spiritus et vita“. Er stand mit zahlreichen Gelehrten, wie seinem Lehrer J. Hirn oder O. Redlich (beide s. d.), in Korrespondenz. S. befaßte sich auch mit der Bearb. mittelalterl. Texte und Fragmente, betätigte sich aber auch literar., wovon mehrere unveröff. Ged. und Theaterstücke in seinem Nachlaß Zeugnis ablegen.

Weitere W.: s. u. Fussenegger; Höck. – Nachlaß: Archiv der Tiroler Franziskanerprov. in Schwaz, Tirol.
L.: Tiroler Anzeiger, 24. 4. 1925; G. Fussenegger, in: Jahres-Ber. des Öff. Gymn. der Franziskaner in Hall in Tirol ... 1935/36, 1936, S. 5ff. (m. B. u. W.); Der Schlern 17, 1936, S. 60; N. Grass, in: Haller Buch, 1953, S. 92, 330, 521; E. M. Höck, Tiroler Kleriker als Geschichtsforscher über die Geschichte Tirols (1870–1914), phil. Diss. Innsbruck, 1972 (m. W. u. L.); Archiv der Tiroler Franziskanerprov. in Schwaz, Tirol; Materialiensmlg. ÖBL, Wien; Mitt. P. Florentin Nothegger (gest.), P. Oliver Ruggenthaler, beide Hall in Tirol, Tirol.
(N. Grass)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 61, 2009), S. 342f.
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