Straka, Adolf Vilém (1825–1872), Politiker, Publizist und Lehrer

Straka Adolf Vilém, Politiker, Publizist und Lehrer. Geb. Krabschitz, Böhmen (Krabčice, Tschechien), 23. 11. 1825; gest. London (Großbritannien), 17. 2. 1872; evang. AB. Sohn eines Pfarrers, Bruder von Gustav Arnošt S. (s. u.). – S. besuchte das Gymn. im sächs. Zittau und stud. dann an der Univ. Leipzig evang. Theol. Während seines Stud. unternahm er Reisen nach preuß. Schlesien sowie in das Großherzogtum Posen und besorgte für F. Palacký (s. d.) den Briefverkehr mit Sachsen unter Umgehung der österr. Zensur. In Leipzig von dem russ. Revolutionär Michail Bakunin beeinflußt, knüpfte S. in dessen Auftrag im Frühjahr 1849 Kontakte zu tschech. Radikalen und wurde Mitgl. eines revolutionären Komitees in Prag. Nach der Verhängung des Belagerungszustands im Mai 1849 in Prag floh S. nach Leipzig und von dort nach England. Wegen Teilnahme an der Vorbereitung eines Aufstands wurde er in Prag in Abwesenheit zum Tod verurteilt. In London wirkte S. als Lehrer für Latein und Altgriech., zunächst an einem Privatinst., ab 1856 als Ass.-Prof. an der Univ. London. 1858 Dr. phil. Ab 1861 brit. Staatsbürger, reiste er jeden Sommer nach Böhmen, wo er zur Verbreitung der engl. Sprachkenntnisse beitrug und ein Lehrbuch der engl. Grammatik, „Mluvnice anglická“ (1862), hrsg. Die Fertigstellung eines von ihm projektierten tschech.-engl. Wörterbuchs wurde durch seinen Tod verhindert. Durch mehrere Jahre schrieb S. auch Beitrr. für engl. Ztg. und gründete 1869 in London den Böhm.-mähr. Lesever., dessen Obmann er bis zu seinem Tod blieb. Sein Bruder Gustav Arnošt S. (geb. Großlhotta, Mähren / Velká Lhota, Tschechien, 18. 3. 1824; gest. Rybnik, Böhmen / Rybníky, Tschechien, 31. 5. 1909; evang. AB.) arbeitete als Student der evang. Theol. in Leipzig ebenfalls mit Bakunin zusammen. Während der Vorbereitung des Prager Aufstands im Frühjahr 1849 trat er als Leiter des revolutionären Komitees auf, wurde in Leipzig verhaftet und an das Militärgericht nach Prag ausgeliefert; das über ihn verhängte Todesurteil wurde 1854 in eine Kerkerstrafe umgewandelt, 1857 wurde er amnestiert. 1864–65 wirkte er als Pfarrer in Rybnik, 1865–1902 in Kowanetz (Kovanec).

L. (meist auch für Gustav Arnošt S.): Masaryk; Otto; Otto, Erg.Bd. (für Gustav Arnošt S.); Wurzbach; V. Čejchan, Bakunin v Čechách, 1928; H. Traub, Květnové spiknutí v Čechách roku 1849, 1929; Z. Šamberger, in: Aus 500 Jahren dt.-tschechoslowak. Geschichte, ed. K. Obermann – J. Polišenský, 1958, S. 249ff.; J. Kořalka, in: Husitský Tábor 5, 1962, S. 209ff.; Č. Rychetský, Kazatelé a sbory české národnosti církví AV a HV v Čechách a na Moravě 1781–1918, 1963; O. Urban, Die tschech. Ges. 1–2, 1994, s. Reg.; J. Štaif, Obezřetná elita, 2005, S. 378f.
(J. Kořalka)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 61, 2009), S. 343f.
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