Strakosch, Felix (1865–1931), Industrieller

Strakosch Felix, Industrieller. Geb. Brünn, Mähren (Brno, Tschechien), 22. 5. 1865; gest. Baden-Baden, Dt. Reich (Dtld.), 4. 6. 1931. Enkel von Salomon (s. d.), Sohn von Bernhard (1828–1908), Neffe von Jonas, Cousin von Sir Henry, Julius und Ludwig S. und Siegfried S. v. Feldringen (alle s. d.), Vater von Dr. Oskar S. (1904–1975). – S. absolv. das Gymn. in Brünn (1883 Matura) sowie einen Kurs an der Handelsakad. Zwar wollte er ursprüngl. Dirigent werden, trat aber dann in die Dienste der Brünner Feintuch- und Schafwollwarenfabrik Brüder S., ein Familienunternehmen, das von seinen Onkeln und seinem Vater gegr. worden war, und widmete sich dort dem kaufmänn. Sektor. 1895 übernahmen S. und Siegfried S. v. Feldringen die Leitung der Fa., verkauften die Fabrik aber 1905, um ihre volle Arbeitskraft der Hohenauer Zuckerfabrik der Brüder S. in NÖ widmen zu können, deren öff. Ges. und Geschäftsführer sie bereits seit 1901 waren. Während Siegfried die Verwaltung der ausgedehnten Fürst Liechtensteinschen Pachtgüter innehatte, oblag S. die Leitung der Zuckerfabrik, während des 1. Weltkriegs auch die Betreuung der landwirtschaftl. Pachtgüter. 1911 wurde die Rohzuckerfabrik umgebaut, 1914 die Raffinerie erneuert, doch brachte der Krieg starke Einschränkungen des Rübenanbaus und damit der Zuckererzeugung mit sich. Unter S.s Geschäftsführung wurde die techn. Ausrüstung der Fabrik wiederholt modernisiert (1923 mit der ersten Druckverdampfstation, 1929 einer neuen Filterpresse, einem Hochleistungskessel, einer Speisewasserpumpe und einem neuen Trocknereiofen), die Produktion konnte bes. in den Nachkriegsjahren wesentl. gesteigert werden: Während etwa bei der Zuckerkampagne 1900/01 tägl. 6.077 Doppelzentner Zuckerrüben verarbeitet wurden, waren es 1930/31 bereits 16.259 Doppelzentner. 1921 wurde mit Hilfe der Fabriksleitung von den Arbeitern ein Unterstützungs- und Altersversorgungsfonds gegr. 1912–19 war S. auch Bgm. von Hohenau; in seiner Amtszeit wurden eine Bürgerschule und ein Elektrizitätswerk erbaut. Er war zudem Vizepräs. des Zentralverbands der Lebensmittelind. Österr., Verw.R. der Dürnkruter Zucker AG (1914), KR und Kammerrat der Österr. Kammer für Handel, Gewerbe und Ind. 1908 wurde er mit dem Orden der Eisernen Krone III. Kl. ausgez.

L.: NFP, 7., Die Ind., 12. 6. 1931; Großind. Österr. I/4, S. 140; A. Schultes, Heimatbuch der Marktgmd. Hohenau a. d. March, 2. Aufl. 1966, S. 297, 364, 476; J. Baxa, 1867–1967. Hundert Jahre Hohenauer Zuckerfabrik der Brüder S., 1967, passim (m. B.); M.-Th. Arnbom, Friedmann, Gutmann, Lieben, Mandl und S., 2. Aufl. 2003, s. Reg.; A. Schultes, Beitrr. zur Heimatkde. von Hohenau, o. J., S. 83, 132, 134f.; Materialiensmlg. ÖBL, Wien.
(J. Mentschl)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 61, 2009), S. 346
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