Strakosch, Ludwig (1855–1919), Sänger und Gesangspädagoge

Strakosch Ludwig, Sänger und Gesangspädagoge. Geb. Brünn, Mähren (Brno, Tschechien), 1. 11. 1855; gest. Hamburg, Dt. Reich (Dtld.), 14. 10. 1919; mos., später röm.-kath. Enkel von Salomon, Sohn von Jonas, Bruder von Julius, Cousin von Felix und Sir Henry S. sowie von Siegfried S. v. Feldringen, ab 1884 verehel. mit Irma S. (alle s. d.). – S. sang schon in seiner Jugend bei Wohltätigkeitsveranstaltungen und begann – zunächst gegen den Willen seines Vaters – eine Gesangsausbildung bei E. Stolz (s. d.) in Wien, die er später bei Luise Ress in Berlin fortsetzte. Ende der 1870er Jahre debüt. er am Linzer Landestheater als Wilhelm Tell in Rossinis gleichnamiger Oper. Es folgten Engagements am Stadttheater Brünn und am Stadttheater Straßburg, wo S. 1884 erfolgreich die Titelrolle in der Erstauff. von Viktor Nesslers „Der Trompeter von Säckingen“ unter der Leitung des Komponisten verkörperte. Nach Engagements in verschiedenen Städten Hollands, in Danzig (Gdańsk), Posen (Poznań), Königsberg (Kaliningrad) und Mainz ging er 1891 an das Stadttheater in Breslau (Wrocław), 1892 an das in Hamburg, 1894 nach Köln und übernahm dann Gastspielverträge an großen dt. Opernhäusern sowie in Bukarest. 1897 verabschiedete er sich von der Bühne und ließ sich in Wiesbaden nieder, war aber weiterhin als Konzertsänger tätig. Bei seinen Liederabenden in Berlin, Wien, Leipzig, London etc. hatte S., dem eine „metallreiche“ und „trefflich geschulte“ Stimme attestiert wurde, insbes. mit Balladen von Carl Loewe Erfolg. Auch als Gesangslehrer geschätzt, unterrichtete er in Wiesbaden und ab 1910 an der gem. mit seiner Frau gegr. Gesangsschule in Hamburg.

Weitere Rollen: Don Pizarro (L. van Beethoven, Fidelio); Don Giovanni (W. A. Mozart, Don Giovanni); Graf Almaviva (ders., Le nozze di Figaro); Der Holländer (R. Wagner, Der fliegende Holländer); Wolfram (ders., Tannhäuser); Rigoletto (G. Verdi, Rigoletto); etc.
L.: NFP, 27. 10. 1919 (Nachmittagsausg.); Eisenberg, Bühne; Kosch, Theaterlex.; Kutsch–Riemens, 4. Aufl. 2003; Wer ist’s?, 1905ff.; Wininger; Dt. Zeitgenossenlex., 1905; Dtld., Österr.-Ungarns und der Schweiz Musiker in Wort und Bild, 1909/10; Dt. Bühnen-Jb. 32, 1921, S. 126f. (m. B.); H. Wimmer, in: Oö. Heimatbll. 13, 1959, H. 1/2, S. 49f.; M.-Th. Arnbom, Friedmann, Gutmann, Lieben, Mandl und S., 2. Aufl. 2003, s. Reg. (m. B.); A. Kohut, Berühmte israelit. Männer und Frauen … 1, o. J., S. 184ff. (m. B.); Archiv města Brna, Brno, Tschechien; Mitt. Jürgen Sielemann, Hamburg, Dtld.
(U. Harten)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 61, 2009), S. 349
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