Strakosch, Mori(t)z (Maurice) (1825–1887), Pianist, Gesangspädagoge, Impresario und Operndirektor

Strakosch Mori(t)z (Maurice), Pianist, Gesangspädagoge, Impresario und Operndirektor. Geb. Großseelowitz, Mähren (Židlochovice, Tschechien), 15. 1. 1825; gest. Paris (Frankreich), 9. 10. 1887; mos. Neffe von Salomon S. (s. d.), Bruder von Ferdinand und Max S. (beide s. u.), Cousin von Alexander und Jonas S. (beide s. d.), ab 1852 verehel. mit der (Mezzo-)Sopranistin Amalia (Amelia) Patti (1831–1916), Tochter des italien. Tenors Salvatore Patti, Schwager der Sängerinnen Adelina und Carlotta Patti. – S. trat als Pianist bereits mit elf Jahren erfolgreich auf und unternahm Konzertreisen durch mehrere europ. Länder. Nach Ausbildung in Harmonie- und Kompositionslehre bei Sechter (s. d.) am KdM und einem Gesangsstud. war er kurz als Tenor an der Agramer Oper engag., wechselte aber auf Empfehlung von G. M. C. Pasta (s. d.) wieder zum Klavier und ließ sich von ihr – zugleich ihr Korrepetitor – zum Gesangspädagogen ausbilden. 1848 ging er auf Einladung Pattis nach New York und organisierte für ihn ein erfolgreiches Musikfest. Mit der anschließenden zweijährigen Amerika-Tournee von Pattis Operntruppe begann S.s Karriere als einer der einflußreichsten Impresari, Opernleiter und Konzertveranstalter seiner Epoche. Teils arbeitete er mit seinem Bruder Max zusammen, mit dem er schon 1855 eine Saison mit eigener Truppe am New Yorker Opernhaus Acad. of Music organisiert hatte, bis 1860 mit Bernard Ullman und zeitweilig auch mit seinem Cousin Max Maretzek. Die Ullman-S. Opera Company spielte an der Acad. v. a. italien. Opern. Bei S.s Konzertreisen in den USA, u. a. mit Amalia Patti, sang auch schon Adelina Patti, die S. bis 1868 unterrichtete, managte und auf Europatourneen begleitete. 1869 leitete S. in Paris die sehr erfolgreiche Urauff. der Orchesterfassung der „Petite Messe Solennelle“ seines Freundes Rossini. Nach weiteren Jahren als Lehrer und Impresario sowie Gastspielen in Europa (u. a. 1873/74 mit Max in der Salle Ventadour in Paris), bes. aber an der amerikan. Ostküste mit der S. (Grand Italian) Opera-, S. and Bolossy Kiralfy- bzw. M. S. and C. D. Hess-Company war er ab 1880 v. a. in Europa tätig, oft unterstützt von seinem Sohn Robert und seinem Bruder Ferdinand (u. a. 1884/85 in Rom). S. war, teils gem. mit Max, Impresario von Carlotta Patti, Christine Nilsson, Teresa Carreño, Clara Louise Kellogg (ab 1887 verehel. mit S.s Neffen Karl S.), Emma Thursby, Minnie Hauk, Pauline Lucca (s. d.), Nelly Melba, Cavaliere Giovanni Matteo de Candia (Ps. Mario), Victor Maurel etc. Auf Tourneen begleitete er Virtuosen wie Louis Moreau Gottschalk, Ole Bull, Pablo de Sarasate u. a. S., der 1852 eine beträchtl. Summe in der Lotterie gewonnen hatte, eröffnete in New York ein Klaviergeschäft (Metropolitan Piano Emporium) mit Filiale in Springfield, Mass. Als Komponist v. a. von Salonmusik ist S. heute vergessen. Sein Bruder Ferdinand S. (geb. um 1820; gest. Paris, 4. 8. 1902) war Leiter verschiedener Theater in Stockholm, Florenz, Barcelona, Paris, Rom etc. sowie 1866 des Wr. Harmonie-Theaters und Impresario. Max S. (geb. Großseelowitz, 27. 9. 1835; gest. New York, N. Y., USA, 17. 3. 1892) unterstützte S. insbes. 1857–61 und wirkte an der Music Acad., managte dann Gottschalk und stellte eine eigene Operntruppe zusammen. Ab 1865 war er wieder v. a. Partner von S., der ihm meist die Geschäftsführung überließ. 1877–80 leitete Max S. eine English Opera Company, mit der er u. a. Verdis „Aida“ erstmals in Kanada aufführte.

W. (auch s. u. Wurzbach): Opern; Klavierstücke; Bearb. von Opernarien. – Publ.: Souvenirs d’un impresario, 1887; M. S.’s Ten Commandments of Music, ed. M. Le Roy, 1888.
L. (meist auch für die anderen Familienmitgl.): The New York Times, 5. 10. 1852, 5. 2. 1874, 11. 10. 1887, 17. 9., 7. 10. 1900; Wr. Tagbl., 16. 3. 1887; Enc. dello spettacolo; Grove, Opera; Kosch, Theaterlex.; Riemann, 11. Aufl.; Wurzbach (m. W.); C. L. Kellogg, Memoirs of an American Prima Donna, 1913, s. Reg.; L. M. Lerner, The Rise of the Impresario: B. Ullman …, 1970, S. 38, 122; A. Stoutamire, Music of the Old South, 1972, s. Reg.; Baker’s Biographical Dictionary of Musicians, 6. Aufl. 1978; V. Brodsky Lawrence, Strong on Music: The New York Music Scene … 3, 1999, s. Reg.; K. K. Preston, Opera on the Road, 2001, s. Reg.; M.-Th. Arnbom, Friedmann, Gutmann, Lieben, Mandl und S., 2. Aufl. 2003, s. Reg. (m. B.); H. E. Krehbiel, Chapters of Opera, 2005, passim (E-Book); L. M. Gottschalk, Notes of a Pianist, 2006, s. Reg.
(U. Harten)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 61, 2009), S. 349f.
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