Strampfer, Friedrich (1823–1890), Schauspieler und Theaterdirektor

Strampfer Friedrich, Schauspieler und Theaterdirektor. Geb. Grimma, Sachsen (Dtld.), 24. 7. 1823; gest. Graz (Stmk.), 7. 4. 1890; evang. Sohn des Schauspielers Heinrich S. (geb. Bruck, Brandenburg-Bayreuth / Erlangen, Dtld., um 1790; gest. Wien, 1848, gefallen), der am Theater an der Wien und am Theater in der Leopoldstadt sowie in Linz wirkte. – S. trat in die Fußstapfen seines Vaters und erhielt gem. mit diesem 1841 sein erstes Engagement in Linz. Nach Stationen in Wr. Neustadt und Olmütz (Olomouc) kam er auf Empfehlung von Carl v. La Roche und Ottilie v. Goethe nach Weimar, wo er 1843 Mitgl. des Hoftheaters wurde, jedoch 1845 wegen seiner konfessionellen Mischehe mit der Primadonna Anna v. Ottenburg entlassen wurde. Nach Jahren als Schauspieler bzw. Leiter einer Wandertruppe (u. a. Magdeburg, Hofburgtheater Wien, Linz, Hermannstadt/Sibiu) wurde er Theaterdir. in Temeswar/Timişoara (1852–58; 1859–62), wo er das erste ständige Theater begründete, sowie in Laibach und Triest (1858/59). 1862 übernahm S., der sich 1857 erfolglos um die Leitung des Linzer Theaters beworben hatte, die Dion. des Theaters an der Wien, leitete das Haus u. a. durch das Engagement Gallmeyers und Geistingers (beide s. d.) mit großem Erfolg und trug mit üppigen Ausstattungsinszenierungen zum Siegeszug der Operetten Offenbachs mit bei. Auch Wagner dirigierte dort 1862/63 Tle. aus eigenen Werken. 1869 legte S. die Dion. nieder und zog sich ins Privatleben zurück. 1870 kaufte er das alte Gebäude der Ges. der Musikfreunde in Wien, das er umbauen ließ und 1871 als S.-Theater eröffnete. Trotz beliebter Darsteller (Blasel, Gallmeyer, Geistinger, Girardi, Felix Schweighofer, alle s. d.) blieb der Erfolg aus. Mit dem 1873 zusätzl. erworbenen Dt. Theater in Budapest wollte S. auch mit Operetten und Opern reüssieren, mußte aber, finanziell schwer angeschlagen, beide Häuser 1874 aufgeben. Vermutl. infolge des Börsenkrachs blieb die 1873 erhaltene Bewilligung zur Errichtung eines „Raimundtheaters“ in Wien-Neubau ungenutzt. Nach einer Parisreise und einem mißglückten Gastspiel seiner Ges. in Berlin lebte S. als Schauspiellehrer in Wien. Als seine Schwester Caroline Völkel-S. (geb. ca. 1820; gest. nach 1881), die bis 1858 Schauspielerin und bis 1862 Alois Pokornys (s. d.) stille Teilhaberin am Theater an der Wien gewesen war, 1878 die Dion. des Ringtheaters übernahm, fungierte S. bis 1879 als künstler. Leiter desselben. 1881 war er Regisseur am Wr. Stadttheater, 1882 künstler. Leiter des Schwender-Theaters und 1882/83 des Carltheaters (unter der vorgebl. Dion. seiner zweiten Frau Marie S.). 1883–88 lebte S. in Kanada und den USA als Farmer, Rezitator, Dir. einer dt.-amerikan. Wanderbühne und Ztg.red. Wieder in Wien, gab er Schauspielunterricht und schrieb für das „Deutsche Volksblatt“. 1889 zog er nach Graz, wo er eine Theaterschule leitete.

L.: Theater-Figaro, 20. 5. 1878; Stubenvoll’s Theaternachrichten, 24. 9. 1882; Der Bote aus dem Waldviertel, 15. 1. 1885; FB, NFP, NWT, 9. 4. 1890; ADB; Czeike; Eisenberg, Bühne; Kosch, Theaterlex.; Nagl–Zeidler–Castle 3–4, s. Reg.; oeml (m. L.); Wurzbach; F. Kaiser, Unter 15 Theater-Dir., 1870, s. Reg.; R. Tyrolt, Chronik des Wr. Stadttheaters …, 1889, s. Reg.; Dt. Bühnen-Almanach 55, 1891, S. 333f.; S. Loewy, Aus Wiens großer Theaterzeit, 1921, S. 89 (m. B.); G. Rech, F. S., phil. Diss. Wien, 1935; R. Holzer, Die Wr. Vorstadtbühnen, 1951, passim (m. B.); A. Bauer, 150 Jahre Theater an der Wien, 1952, s. Reg. (m. B.); H. Wimmer, Das Linzer Landestheater …, 1958, s. Reg.; H. Pemmer, in: Wr. Geschichtsbll. 19, 1964, S. 353ff.; W. Binal, Dt.sprachiges Theater in Budapest, 1972, s. Reg. (m. B.); M. Pechtol, Thalia in Temeswar, 1972, bes. S. 125ff.; F. Hadamowsky, Wien. Theatergeschichte, Stud.ausg. 1988, s. Reg.; Ztg.ausschnittsmlg., Österr. Theatermus., Wien (m. B.); evang. Pfarramt Heilandskirche, Graz, Stmk.
(Ch. Fastl)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 61, 2009), S. 354
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