Stránský, Emil (1889–1938), Mediziner

Stránský Emil, Mediziner. Geb. Prag, Böhmen (Praha, Tschechien), 16. 10. 1889; gest. Karlsbad, Dt. Reich (Karlovy Vary, Tschechien), 10. 11. 1938 (Selbstmord); röm.-kath. Aus einer Prager Geschäftsfamilie stammend. – S. stud. nach Abschluß des dt. Gymn. ab 1908 Med. an der dt. Univ. Prag; 1914 Dr. med. Bereits vor seiner Prom. wurde er am Pharmakolog.-pharmakognost. Inst. als Demonstrator angestellt, ehe er 1914 als Truppenarzt an die Front einberufen wurde. Gegen Ende des 1. Weltkriegs behandelte er epidem. Erkrankungen. S. bemühte sich während des Kriegs, seine wiss. Forschungen fortzusetzen, kehrte nach Kriegsende an sein Inst. zurück und wirkte dort 1919–21 als 2. Ass. 1921 ließ er sich als Facharzt in Karlsbad nieder und richtete sich im Hotel Continental ein diagnost. Labor ein. In den Wintermonaten setzte er seine Forschungstätigkeit in den pharmakolog. Inst. in Wien und Prag fort. 1932 an der Univ. Prag für Balneol. habil., übernahm S. 1935 als Vorstand die neu errichtete biolog. Abt. im Allg. öff. Krankenhaus in Karlsbad. S. widmete sich systemat. der wiss. experimentellen Balneol., untersuchte die Wirkung der in Karlsbader Wässern enthaltenen Mineralsalze auf den menschl. Organismus und wies die Veränderungen des Natrium-, Kalzium- und Magnesiumgehalts im Körper sowie den gallentreibenden Effekt der Karlsbader Wässer nach. Bes. Interesse zeigte er für den Purinstoffwechsel. Seine wiss. Beitrr. erschienen v. a. in dt. Fachz. Nach der Annexion des Sudetenlands an das Dt. Reich beging S. wegen seiner jüd. Herkunft Selbstmord.

W.: Untersuchungen über die Pharmakol. der Gallensekretion, in: Z. für die gesamte experimentelle Med. 77, 1931; etc.
L.: Karlovarský lázeňský časopis, 10. 11. 1948; Hdb. jüd. AutorInnen; Kürschner, Gel.Kal., 1936; Zdravotnická ročenka Československa, 1936, S. 580; L. Hlaváčková – P. Svobodný, Biograph. Lex. der dt. med. Fak. in Prag 1883–1945, 1998; O. Bořík – J. Boříková, Hospice, špitály a nemocnice v Karlových Varech, 2004, S. 158, 162; UA, Archiv Akad. věd ČR, beide Praha, Tschechien.
(L. Hlaváčková)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 61, 2009), S. 357
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