Strasser, Ferdinand (1901–1942), Politiker und Widerstandskämpfer

Strasser Ferdinand, Politiker und Widerstandskämpfer. Geb. Krems (Krems an der Donau, NÖ), 3. 4. 1901; gest. Wien, 30. 9. 1942 (hingerichtet). S. wuchs als Sohn einer kinderreichen Familie in ärml. Verhältnissen auf. Der Besuch des Gymn. war ihm nur durch zusätzl. Erwerbsarbeit mögl., ein geplantes Jusstud. scheiterte an finanziellen Voraussetzungen. 1917 trat er dem Verband jugendl. Arbeiter bei, bald darauf der Sozialdemokrat. Arbeiterpartei Österr. S. war ab 1924 im Parteisekretariat tätig, fungierte als Obmann des Arbeiterturn- und Sportver. und wurde im April 1933 Bgm.stellv. von St. Pölten. Als leitender Funktionär des Republikan. Schutzbundes flüchtete er nach den Februarkämpfen 1934 in die Tschechoslowakei und anschließend in die Sowjetunion. Inzwischen der Kommunist. Partei Österr. (KPÖ) beigetreten, wurde S. bald in deren zentrale Leitung berufen. 1937 kehrte er unter falschem Namen nach Österr. zurück, wurde kurz darauf verhaftet, kam jedoch nach der Februaramnestie 1938 frei. Nach seiner Übersiedlung nach Krems, wo er eine Anstellung als Buchhalter fand, wirkte S. als Leiter einer kommunist. Widerstandsgruppe. Er gehörte ab 1940 neben Erwin Puschmann, Franz Šebek und Hedy Urach dem illegalen Zentralkomitee der KPÖ an. Zu den Aktivitäten der Kremser Widerstandskämpfer, die in enger Verbindung zu St. Pöltener Gesinnungsgenossen standen, zählten die finanzielle Unterstützung von Angehörigen Inhaftierter und die Herstellung von Flugschriften. Im April 1941 wurde S. verhaftet und im Juni 1942 vom 2. Senat des Volksgerichtshofs wegen Vorbereitung zum Hochverrat zum Tod verurteilt.

L.: Widerstand und Verfolgung in NÖ 1934–45, bearb. H. Arnberger – Ch. Mitterrutzner, 1987, s. Reg.; Gedenken und Mahnen in Wien 1934–45, bearb. H. Exenberger u. a., 1998, s. Reg.; W. Weinert, „Ich möchte, dass sie Euch alle immer nahe bleiben ...“. Biografien kommunist. WiderstandskämpferInnen in Österr., 2005, S. 40 (m. B.); DÖW, Wien.
(Ch. Kanzler)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 61, 2009), S. 362
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