Strasser, P. Pius (Johannes Evang.) (1843–1927), Geistlicher und Botaniker

Strasser P. Pius (Johannes Evang.), OSB, Geistlicher und Botaniker. Geb. Winklarn (NÖ), 27. 12. 1843; gest. Seitenstetten (NÖ), 9. 11. 1927; röm.-kath. Aus ärml. Verhältnissen stammend. – S. konnte mit Unterstützung von Wohltätern die Stiftsgymn. Seitenstetten und Melk absolv. 1862 trat er bei den Benediktinern in Seitenstetten ein, stud. bis 1867 Theol. in Admont und St. Pölten und wurde im selben Jahr zum Priester geweiht. Danach bis 1868 Kooperator zu St. Peter in der Au und in Aschbach. 1873 Lehramtsprüfung und bis 1885 Lehrer am Stiftsgymn., 1878 Konviktspräfekt. 1885–1919 Superior in Sonntagberg. 1896–1903 hatte S. die Administration des Dekanats Waidhofen an der Ybbs inne. Daneben war er Initiator des Klosters der Töchter des Göttl. Heilandes in Gleiß und förderte den Kirchenbau von Maria Seesal bei Ybbsitz. 1919 i. R. Hatte sich S. während seiner Lehrtätigkeit v. a. mit kirchenmusikal. und kirchengeschichtl. Themen beschäftigt, so begann er sich in Sonntagberg für Botanik zu interessieren und v. a. Pilze zu sammeln. 1900 erschien seine Beschreibung der Pilzflora des Sonntagbergs in den „Verhandlungen der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien“. S. stand in engem Kontakt mit der botan. Abt. des Naturhist. Mus. in Wien, der er laufend von ihm gesammelte Pilze und Flechten übersandte, von denen viele in die Smlg. „Kryptogamae exsiccatae“ aufgenommen wurden. S., nach dem u. a. die Pilzgattung Strasseria benannt wurde und der sich i. d. F. auch ausführl. mit Lichenol. beschäftigte, war langjähriges Mitgl. der Zoolog.-Botan. Ges. Von seiner Herbarsmlg. befinden sich heute 11 Faszikel im Stift Seitenstetten. Sein Flechten- und Pilzherbarium überließ das Stift 1934 der botan. Abt. des Naturhist. Mus. in Wien.

Weitere W. (auch s. u. Stafleu): Der Kg. der Instrumente. Zur Geschichte der Orgel, in: Archiv für kirchl. Baukunst und Kirchenschmuck Berlin 2–3, 1877–78, auch in: Kirchenschmuck. Bll. des christl. Kunstver. der Diözese Seckau 8–9, 1877–78; Die Instrumentalmusik in der Urzeit des Christenthums, ebd. 3, 1878; Zum vierhundertjährigen Jubiläum der Einweihung der ersten Kirche des Wallfahrtsorts Sonntagberg …, 1890; etc.
L.: Steyrerztg., 13. 11. 1927; Stafleu (m. W. u. L.); Scriptores Ordinis S. Benedicti …, 1881, S. 468; A. Erdinger, Bibliographie des Clerus der Diöcese St. Pölten …, 2. Aufl. 1889, S. 246; Bote aus Seitenstetten 1, 1929, S. 30; P. Ortmayr – A. Decker, Das Benediktinerstift Seitenstetten, 1955, S. 340f.; Bibliographie der dt.sprachigen Benediktiner …, 1984, S. 328ff.; A. Pontesegger, Chronik der Marktgmd. Sonntagberg, 1988, S. 125ff.; A. Jandl, in: 1000 Jahre Gleiß, ed. ders., 1993, S. 169f.; A. Pontesegger, Chronik der Marktgmd. Allhartsberg, 2004, S. 224f.; Stift Seitenstetten, Pfarramt Sonntagberg, beide NÖ.
(J. Tisch)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 61, 2009), S. 364
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