Strassgschwandtner (Straßgschwandtner), Anton (Tony); genannt der österreichische Raffet (1826–1881), Maler, Zeichner und Lithograph

Strassgschwandtner (Straßgschwandtner) Anton (Tony), Maler, Zeichner und Lithograph. Geb. Wien, 17. 10. 1826; gest. ebd., 5. 3. 1881; röm.-kath. Aus ärml. Verhältnissen stammend, Sohn eines Lederhändlers, früh verwaist. – S., dessen zeichner. Talent bereits im Waisenhaus entdeckt wurde, stud. 1843–45 an der Wr. ABK bei Steinfeld (s. d.) im Tier- und Landschaftsfach und wandte sich danach – obwohl er selbst nie beim Militär gewesen war – fast ausschließl. der Pferde- und Soldatenmalerei zu, wofür er später auch als österr. Raffet bezeichnet wurde. Diese Themen wurden zum Mittelpunkt seiner – meist kleinformatigen – Genredarstellungen, wobei er bes. Wert auf genaue Ausführung, Klarheit und Leuchtkraft der Farben legte. Die Ereignisse 1848/49 gaben ihm Anregung zu stimmungsvollen und dokumentar. Darstellungen der Vorgänge in und um Wien; weiteren Stoff zu seinen hist. Szenen lieferten ihm u. a. der Krimkrieg, der dt.-französ. Feldzug, aber auch Ereignisse aus der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs. Daneben widmete er sich der Jagd- und Bauernmalerei und schuf zahlreiche Lithographien nach eigenen und fremden Vorlagen sowie Alben (Circus Renz, Ehrenhalle österr. Krieger etc.); zu seinen Kunden gehörten Angehörige des Hochadels, des vermögenden Bürgertums und des Militärs. S., der einige Male mit F. Gauermann und Pettenkofen (beide s. d.) zusammenarbeitete, stellte seine Werke erstmals 1845 in der ABK aus, ab 1854 auch im Österr. Kunstver. und ab 1868 im neuerbauten Künstlerhaus; 1869 Mitgl. der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens (Künstlerhaus). 1879 mußte er wegen einer Geisteskrankheit in einer Irrenanstalt untergebracht werden. S. hinterließ eine bedeutende Waffen- und Antiquitätensmlg.

Weitere W. (auch s. u. Wurzbach): 36 Lithographien für: Die k. k. österr. Armée nach der neuesten Adjustirung, 1850–52 (gem. m. A. v. Pettenkofen); Jagd-Album, 1860, Nachdruck 1983; etc.
L.: WZ, 7. 3. 1881; Czeike; Fuchs, 19. Jh.; Thieme–Becker (m. L.); Wurzbach (m. tw. W.); F. v. Boetticher, Malerwerke des 19. Jh. 2/2, 1898; L. Hevesi, Oesterr. Kunst im 19. Jh., 1903, S. 74ff. (m. B.); R. Schmidt, Das Wr. Künstlerhaus, 1951, S. 51, 78, 124; H. Schöny, Wr. Künstler-Ahnen 2, 1975, S. 224; P. Weninger, in: Jagd-Album, Nachdruck 1983 (m. B.); Kunst des 19. Jh. 4, bearb. C. Wöhrer, 2000.
(W. Aichelburg)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 61, 2009), S. 364f.
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