Stratimirović (Stratimirovich), Djordje (Georg) von (1822–1908), Offizier und Politiker

Stratimirović (Stratimirovich) Djordje (Georg) von, Offizier und Politiker. Geb. Neusatz, Ungarn (Novi Sad, Serbien), 7. (20.) 2. 1822; gest. Wien, 15. 12. 1908; griech.-oriental. Sohn eines Gutsbesitzers, Neffe von Stephan S. (s. d.). – S. besuchte das evang. Untergymn. in Neuwerbaß (Vrbas), die Kadettenschule in Titel sowie 1837–41 die Ing.akad. in Wien. Danach diente er als Lt. in verschiedenen Garnisonen, u. a. in Mailand und Pavia, zog sich aber 1844 auf das väterl. Gut in Kölpény (Kulpin) zurück. 1848 war S. Mitgl. einer Delegation, die vergebl. die serb. Autonomiewünsche im ung. LT in Preßburg vorbrachte. Nach Verhängung des Belagerungszustands über die serb. Gebiete Ungarns wurde er auf dem serb. Nationalkongreß Anfang Mai 1848 in Karlowitz (Sremski Karlovci) zum Präs. gewählt und mit dem Oberbefehl über die serb. Truppen betraut. Dabei konnte er sich bis zu seiner Ablösung im Herbst durch den Wojwoden Stefan Šupljikac erfolgreich gegen die Ungarn behaupten. Differenzen mit dem Patriarchen Rajačić v. Brinski (s. d.) führten zu S.’ zeitweiliger polit. Entmachtung. Nach dem plötzl. Ableben von Šuplijkac Ende Dezember 1848 wurde er erneut mit dem Oberkmdo. über die serb. Truppen betraut, mit denen er den Ungarn erfolgreich Widerstand leistete. 1849 trat S. wieder in die reguläre österr. Armee ein, avancierte bis 1859 zum GM und unternahm mehrere diplomat.-militär. Missionen nach Serbien, Bosnien, Montenegro, Korfu und Epiros, zu denen ihn auch seine umfangreichen Sprachkenntnisse befähigten. 1859 im Dienst des Gen.gouverneurs von Dalmatien, wurde er 1860 zum Gen.konsul für Sizilien ernannt. 1863 verließ er den Staatsdienst. 1865–72 Abg. des ung. Reichstags und dort Führer der serb. Konservativen, trat er gegen die Unterordnung der Serben gegenüber Ungarn ein. 1875/76 wirkte er im serb.-türk. Krieg als Militärberater der Serben, wurde jedoch der Spionage für Österr. beschuldigt, kurzzeitig inhaftiert und schließl. ausgewiesen. Ab 1877 lebte S. ständig in Wien, publ. in verschiedenen Ztg. u. a. Beitrr. zur oriental. Frage und hielt mit führenden Persönlichkeiten am Hof und bei der Armee Kontakt. 1907 wurde er in den Ritterstand erhoben.

W.: Die Reformen in der Türkei, 1856; Was ich erlebte. Erinnerungen von Gen. S., ed. Ljuba v. S., 1911 (m. B.), serb. 1913.
L.: Neue Tiroler Stimmen, 24. 8. 1875; NFP, 16., 18., WZ, 17. 12. 1908; Biograph. Lex. Südosteuropas; Enc. Jug. (m. B.); Nar. Enc.; Otto; Wurzbach; A. Gavrilović, Znameniti Srbi XIX veka 3, 1904, S. 94ff., Nachdruck 1997; V. Bogdanov, Ustanak Srba u Vojvodini i madjarska revolucija 1848 i 1849, 1929, passim; S. Gavrilović, Srem u revoljuciji 1848–49, 1963, passim; Vojna Enc. 9, 1967; H. Haselsteiner, Die Serben und der Ausgleich, 1976, s. Reg.; Istorija srpskog naroda 5/2, 1981, bes. S. 52ff., 78ff.; Srpsko-mađarski odnosi i saradnja 1848–67, 1987, s. Reg.; L. Krkljuš, in: Jugoslovenski istoriski Časopis 29, 1996, S. 95ff.; AVA, KA, WStLA, alle Wien.
(M. Stoy)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 62, 2010), S. 369
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