Strauß, Emil (1889–1942), Journalist, Politiker und Historiker

Strauß Emil, Journalist, Politiker und Historiker. Geb. Prag, Böhmen (Praha, Tschechien), 17. 4. 1889; gest. KZ Auschwitz, Dt. Reich (Polen), 12. 12. 1942 (ermordet); mos., später konfessionslos. Aus einer alten Prager jüd. Familie stammend, Bruder des Journalisten Karl S. (1901–1968) und Schwiegersohn von Seliger (s. d.). – Nach der Matura an der dt. Staatsoberrealschule in Prag 1908 und dem Stud. an der Dt. Univ. (1912 Dr. phil.) war S. 1912–15 in Prag als Versicherungsbeamter tätig. Daneben engagierte er sich in der Arbeiterbewegung und zählte bis 1921 zu den engen Mitarb. Seligers. Nach Kriegsteilnahme 1915–18 arbeitete S. als Journalist für verschiedene Periodika in Teplitz-Schönau (Teplice). Ab 1921 wirkte er in Prag als Red. und 1935–38 als Chefred. des Zentralorgans der Dt. Sozialdemokrat. Arbeiterpartei in der Tschechoslowakei, „Sozialdemokrat“. Zudem leitete er den „Nordböhmischen Volksboten“, publ. in Z. wie „Der Kampf“ und entwickelte sich mit Themen aus der Nationalökonomie, der Geschichte der Arbeiterbewegung und der tschechoslowak. Zeitgeschichte zu einem der wichtigsten sozialdemokrat. Publizisten in der Tschechoslowakei. Nach 1924 lehrte er auch als Doz. an der Hochschule für polit. Wiss. in Prag und wirkte ab 1926 beim dt. Rundfunk in der Tschechoslowakei mit. Langjähriges Mitgl. der Zentralkomm. des Dt. Gewerkschaftsbunds in der Tschechoslowakei in Reichenberg (Liberec), war er 1921–38 Mitgl. der Zentralstelle für Bildungswesen und 1932–38 Mitgl. des Parteivorstands der Dt. Sozialdemokrat. Arbeiterpartei. Ab 1928 gehörte er der Landesvertretung von Böhmen, ab 1929 dem Direktorium der (staatl.) böhm. Landesbank und ab 1932 dem Landesschulrat sowie dem Wirtschaftsbeirat der Tschechoslowakei an. Anfang April 1939 in Prag von der Gestapo verhaftet, wurde er im Juni 1940 in das KZ Dachau, von dort im Juli 1941 nach Buchenwald verbracht und im Oktober 1942 nach Auschwitz deportiert.

Weitere W.: Einführung in die Geschichte der Tschechen, 1920; Wirtschaftskde., 1921; Tschechoslowak. Geschichte, 1924; Geschichte der dt. Sozialdemokratie Böhmens, 2 Bde., 1925–26, Nachdruck 1970; Bauernelend und Bauernaufstände in den Sudetenländern, 1929; J. Seliger, 1930 (gem. m. J. Hofbauer); Sowjetrußland und die Arbeiterklasse, 1933; Die Entstehung der Tschechoslowak. Republik, 1934, 2. Aufl. 1935; Tschechoslowak. Außenpolitik, 1936; etc.
L.: Die Brücke, 8. 7. 1972; F. Wertheimer, Von dt. Parteien und Parteiführern im Ausland, 2. Aufl. 1930, s. Reg.; Kulturní adresář ČSR, ed. A. Dolenský, 2, 1936; Československo. Biografie, red. B. Koutník, Ser. 15, 1938; J. W. Brügel, Tschechen und Dt. 1918–38, 1967, S. 635; Sudetenjb. der Seliger-Gmd. 23, 1974, S. 6; F. G. Kürbisch, Chronik der sudetendt. Sozialdemokratie 1863–1938, 1982, s. Reg.; E. Werner, in: Sudetenjb. der Seliger-Gmd. 43, 1994, S. 27ff.; R. M. Wlaschek, Biographia Judaica Bohemiae 1, 1995; J. Tomeš, Průkopníci a pokračovatelé. Osobnosti v dějinách české sociální demokracie 1878–2003, 2004, S. 140; P. Goller, „Während der Schlacht ist es schwer, Kriegsgeschichte zu schreiben ...“, 2009, S. 91ff.; Internationaler Suchdienst, Bad Arolsen, Dtld.
(R. Luft)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 62, 2010), S. 375
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