Strazza, Giovanni (1817–1875), Bildhauer

Strazza Giovanni, Bildhauer. Geb. Mailand, Lombardo-Venetien (Milano, Italien), 1817 oder 1818; gest. ebd., 18. 4. 1875. S. stud. bei Marchesi (s. d.) an der Accad. di Belle Arti di Brera in Mailand und absolv. seine Lehrzeit in der Werkstatt von Somaini (s. d.). 1840 ging er nach Rom und schloß seine Ausbildung an der dortigen Accad. di San Luca ab, wo er mit dem Purismus von Pietro Tenerani in Berührung kam. Mit seinem Werk „Ismaele abbandonato nel deserto“ gelang S. 1844 in den Künstlerkreisen Roms der Durchbruch. Zwei Jahre später wurde diese Skulptur mit großem Erfolg in der Jahresausst. der Brera in Mailand gezeigt, 1851 gem. mit der 1846 entstandenen „Mendicante“, der „l’Audace“ und der „Peri“ auf der Weltausst. in London präsentiert. 1858 kehrte S. nach Mailand zurück, wo er in zahlreichen Ausst. vertreten war und nach einer kurzen Lehrtätigkeit an der Accad. di Belle Arti in Bologna 1860 den Lehrstuhl für Bildhauerei an der Brera erhielt, den er bis zu seinem Tod innehatte. 1861 zeigte S. auf der Nationalen Kunstausst. in Florenz seine Skulptur „La sposa“, die später in mehreren Repliken – u. a. in der Ermitage in St. Petersburg – aufgestellt wurde. 1863 schuf er ein Relief für den Altar der Hl. Agnes im Querhaus des Mailänder Doms sowie 1867 die Statue des „Aron“ (heute im Hof des Erzbischöfl. Palais). Viele seiner Werke waren Grabmonumente, etwa das Grabmal für den Eisenbahning. Giulio Sarti auf dem Cimitero Monumentale in Mailand, 1870, das von den Allegorien „Fleiß“ und „Wissenschaft“ flankiert wird. S., ein Vertreter der Mailänder Schule, wurde 1873 als Mitgl. der Kunstkomm. in die Jury der Wr. Weltausst. berufen und stellte dort eine Büste Manzonis (s. d.) aus, mit der er in Fachkreisen und beim Publikum beachtl. Erfolg erzielte.

Weitere W.: Denkmal G. Donizetti, 1874 (Teatro alla Scala, Milano); Grabmal für F. Lucca, 1879 (Cimiterio Monumentale Milano); etc.
L.: Bénézit; Thieme–Becker; Wurzbach; A. Caimi, Delle arti del disegno, 1862; A. Rondani, Scritti d’arte, 1874, S. 281ff.; A. Caimi, in: Atti della Regia Accad. di Belle Arti di Milano, 1875, S. 71; C. Boito, in: L’Illustrazione Italiana, 1875, S. 255; ders., Scultura e pittura d’oggi, 1877, S. 413ff.; M. De Micheli, La scultura dell’Ottocento, 1992, S. 94ff., 332; A. Panzetta, Dizionario degli scultori italiani dell’Ottocento e del primo Novecento, 2. Aufl. 1993; V. Vicario, Gli scultori italiani dal Neoclassicismo al Liberty 2, 2. Aufl. 1994, s. Reg.; F. Tedeschi, in: Due secoli di scultura, Milano 1995, S. 64ff., 86ff., 331 (Kat.); L. Montedoro, in: Memorie nel bronzo e nel marmo, ed. M. Petrantoni, 1997, S. 269; S. Berresford, Italian Memorial Sculpture 1820–1940, 2004, S. 55, 118; S. Regonelli, in: L’uomo nero 3, 2006, S. 356ff.
(V. Gransinigh)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 62, 2010), S. 384f.
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