Streffleur, Valentin von (1808–1870), Offizier, Publizist und Beamter

Streffleur Valentin von, Offizier, Publizist und Beamter. Geb. Wien, 18. 2. 1808; gest. Purkersdorf (NÖ), 5. 7. 1870; röm.-kath. Sohn eines Hofkriegsratsbeamten. – Nach Ausbildung im Erziehungshaus des IR 49 in St. Pölten ab 1822 und in der Grazer Kadettenkomp. trat S. 1830 als Fähnrich beim IR 49 in die Armee ein. Er diente in Ofen (Budapest) und Mainz und wurde bereits als Oblt. dem Gen.quartiermeisterstab zugeteilt. 1842 Hptm., lehrte er als Prof. bei der lombard.-venezian. Leibgarde und wurde, 1847 Mjr., aufgrund seiner gemäßigt liberalen Ansichten als Lehrer in den Kriegswiss. für den späteren K. Franz Joseph I. (s. d.) herangezogen. Während der Revolution 1848 wurde S. Ende Juli zum Gen.adj. und prov. Kmdt. der Wr. Nationalgarde ernannt. Als er jedoch bei Tumulten im September Militär zur Unterstützung der Nationalgarde anforderte, wurde er Anfang Oktober durch FML Philipp Frh. v. Bechtold ersetzt. In die Frankfurter Nationalversmlg. gewählt, konnte er Wien noch vor der Oktoberrevolution verlassen und blieb bis zum Frühjahr 1849 in Frankfurt am Main. Nach seiner Rückkehr gelang S. 1850 auf Intervention des K. als Min.sekr. im Min. für Handel, Gewerbe und öff. Bauten der Übertritt in den Zivilstaatsdienst. 1857 wechselte er als Sektionsrat ins Finanzmin., wo er als Leiter des Bauarchivs, als Sekr. des statist. Büros und Referent für die Katastralverwaltung sowie als Vorstand des Triangulierungs- und Kalkülbüros fungierte. Bereits ab 1838 hatte S. zahlreiche Arbeiten zur Kriegsgeschichte, aber auch zur Kartographie publ., wie etwa Schulkarten der österr. Kronländer, die Donauschiffahrtskarte und eine große Aufnahme der Stadt Wien, weiters Reliefkarten von NÖ und Tirol. Er befaßte sich außerdem mit der Wr. Stadterweiterung, mit der Donauregulierung, mit Eisenbahnanlagen und mit Wr. San.angelegenheiten. 1859 kehrte S. als Gen.kriegskoär. im Reichskriegsmin. in den Militärstand zurück und wurde mit der Hrsg. der 1808 gegr. „Oesterreichischen militärischen Zeitschrift“ beauftragt, in der er seine ungemein produktive Publ.tätigkeit fortsetzte und nachdrückl. die Forderung nach einer umfassenden, weit über das operative Gebiet hinausreichenden Kriegsgeschichtsschreibung vertrat. Nach seinem Tod erschien die Z. bis 1906 unter dem Titel „Streffleur’s Österreichische Militärische Zeitschrift“, danach bis 1914 als „Streffleur’s militärische Zeitschrift“. S. entwickelte ferner einen durch Dampfkraft drehbaren Panzerturm für die Küstenverteidigung Dalmatiens, dessen Realisierung jedoch über das Planungsstadium nicht hinaus kam. Ab 1856 Mitgl. der Geograph. Ges. und 1864–70 Vizepräs. des Ver. für Landeskde. von NÖ, wurde S. 1866 in den Ritterstand erhoben. Ab 1868 wirkte er auch als Prof. für Terrainlehre am Wr. polytechn. Inst. 1869 wurde er Sektionschef und Abt.leiter des Techn. und administrativen Militärkomitees im Kriegsmin.

Weitere W.: s. u. Wurzbach; Zitterhofer, 1908; Broucek – Peball. – Nachlaß: WStLA, Wien.
L.: WZ, 8. 7. 1870; ADB; Czeike; Poggendorff 2–3; Stern–Ehrlich, S. 182; Wurzbach (m. W.); Mitt. der Geograph. Ges. 14, 1871, S. 100f.; (C.) Zitterhofer, S.s Militär. Z. 1808–1908, 1908, S. 16ff. (m. W.); ders., S.s Militär. Z. 1908–12, 1. Nachtrag zum Gen.reg., 1913; R. Kiszling, Die Revolution im Kaisertum Österr. 1848/49, 1, 1948, s. Reg.; Die Frankfurter Nationalversmlg. 1848/49, ed. R. Koch, 1989 (m. B.); H. Best – W. Weege, Biograph. Hdb. der Abg. der Frankfurter Nationalversmlg. 1848/49, 1996; P. Broucek – K. Peball, Geschichte der österr. Militärhistoriographie, 2000, S. 607ff. (m. W.); AVA, Wien.
(P. Broucek)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 62, 2010), S. 385f.
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