Streintz, Franz (1855–1922), Physiker

Streintz Franz, Physiker. Geb. Graz (Stmk.), 6. 11. 1855; gest. ebd., 1. 7. 1922; röm.-kath., ab 1920 evang. AB. Sohn eines Kaufmanns, Cousin von Heinrich S. (s. d.) – Nach Besuch des Gymn. stud. S. ab 1872 Mathematik und Physik u. a. bei Boltzmann (s. d.) und August Toepler an der Univ. Graz; 1877 Dr. phil. Er setzte seine Stud. fort und wechselte 1879 an die Univ. Berlin, arbeitete dort unter Hermann v. Helmholtz am Physikal. Inst. und besuchte die Lehrveranstaltungen des Physikers Gustav Robert Kirchhoff sowie die des Mediziners und Physiologen Emil du Bois Reymond. 1880–81 wirkte S. als Ass. Toeplers am kgl. Sächs. Polytechnikum in Dresden, wo er sowohl mit der Vorbereitung der Experimentalvorlesungen als auch mit der Leitung der Laboratoriumsarbeiten betraut war. 1881 Habil. bei Boltzmann, war S. i. d. F. als Priv.Doz. unter Albert v. Ettingshausen am Physikal. Inst. der Univ. Graz tätig. 1882 Habil. als Priv.Doz. an der TH Graz. Techn. Stud. führten S. 1889 in das Charlottenburger Werk von Siemens & Halske (Berlin), 1892 Tit.-Prof. an der Grazer TH. 1899 ging S. an die Univ. Göttingen, wo er sich bei Walther Hermann Nernst für physikal. Chemie und Elektrochemie ein weiteres Mal habil. 1901 an die Univ. Graz zurückgekehrt, wurde S. 1904 ao. Prof. für Physik. Er lehrte über die Anwendungsmöglichkeiten der Elektrizität und erhielt 1906 durch die Schaffung eines zweiten physikal. Lehrstuhls ein Ordinariat an der TH. In seinen Vorlesungen behandelte er Thermodynamik sowie Elektrochemie. S. publ. fast ausschließl. über die Elektrizität, insbes. die Entwicklung von Akkumulatoren. Er forschte über galvan. Polarisation, elektromotor. Kraft, Leitfähigkeit von Metallen sowie über die elektrochem. Wirkung der neu entdeckten Röntgenstrahlen. Gem. mit Heinrich S. untersuchte er die elektr. Nachströme transversal magnetisierter Eisenstäbe.

Weitere W.: s. u. Poggendorff.
L.: Poggendorff 3–5 (m. W.); K. W. F. Kohlrausch, in: Physikal. Z. 23, 1922, S. 353f.; A. Kernbauer, Svante Arrhenius’ Beziehungen zu österr. Gelehrten …, 1988, s. Reg.; L. Boltzmann. Leben und Briefe, ed. W. Höflechner, 1994, s. Reg.; L. Boltzmann. Vorlesungen über Experimentalphysik in Graz, ed. I. M. Fasol-Boltzmann – W. Höflechner, 1998, S. 1.23f.; Kat. zur Ausst. L. Boltzmann. Anlässl. des 100. Todestages, ed. W. Höflechner, Graz 2006, S. 26f., bes. S. 97 (Kat.); FotoBibl. Biobibliografie zur Fotografie in Österr., 2009 (nur Internet, Zugriff 13. 12. 2009); Diözesanarchiv, Pfarramt Heilandskirche Graz, TU, UA, alle Graz, Stmk.
(M. Schneider)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 62, 2010), S. 390
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