Strelli, P. Richard (1875–1940), Geistlicher und Archäologe

Strelli P. Richard, OSB, Geistlicher und Archäologe. Geb. Triest, Freie Stadt (Trieste, Italien), 12. 5. 1875; gest. Graz (Stmk.), 27. 9. 1940. Aus ärml. Verhältnissen stammend. – Nach Besuch der Gymn. in St. Paul im Lavanttal und Klagenfurt trat S. 1896 als Novize in das Benediktinerstift St. Paul ein und begann gleichzeitig das Stud. der Theol. an der theol. Hauslehranstalt St. Florian; 1900 Priesterweihe. 1900–03 stud. er klass. Philol. an der Univ. Graz, wo er Mitgl. der kath. Studentenverbindung Carolina wurde. 1903 Supplent für Dt., Latein und Geschichte am Stiftsgymn. St. Paul, 1904 Lehramtsprüfung und Definitivstellung, 1906 Dr. phil. Im selben Jahr wurde S. leitender Präfekt im Stiftskonvikt Josefinum, 1914–29 war er Dir. des Stiftsgymn., 1928 Stud.rat. 1916 fürstbischöfl. geistl. Rat, 1924–25 Konsistorialrat, wurde S. 1929 zum Abt des Stifts gewählt. Ein bes. Anliegen für S. war die Erwachsenenbildung. Er veranstaltete in St. Paul und in anderen Gebieten von Ktn. Volksbildungskurse, 1921–28 auch am Stiftsgymn. 1933 gliederte S. dem Stiftsgymn. ein Realgymn. an. 1935–36 erfolgte eine Renovierung der Stiftskirche, die durch Verkauf eines stiftseigenen Exemplars der Gutenbergbibel finanziert wurde. Großes Interesse brachte S. der Ur- und Frühgeschichte des unteren Lavanttals entgegen, wo er zahlreiche Ausgrabungen leitete, u. a. 1909–11 die eines Urnengräberfelds auf dem Gut „Meier am Hof“ bei St. Paul, 1929 einer frühbronzezeitl. Siedlung am Kulm bei Ettendorf, 1927–28 einer römerzeitl. Siedlung samt Gräbern auf dem Johannesberg bei St. Paul, 1932 eines kaiserzeitl. Töpferofens am Kreuzacker in St. Paul und 1931–34 einer kaiserzeitl. Siedlung samt Gutshof in Allersdorf bei St. Paul. Damit gelang S. der Nachweis einer Siedlungskontinuität im Lavanttal seit der Bronzezeit. Ab 1930 war S. Konservator für das Fundwesen im Bez. Wolfsberg. Bereits 1927 hatte er ein dem Stiftsgymn. angeschlossenes Mus. für ur- und frühgeschichtl. Funde aus dem Lavanttal gegründet, dessen Objekte jedoch z. Tl. 1943 nach der Aufhebung des Stifts verlorengingen. S., der zahlreiche wiss. Beitrr. in einschlägigen Fachorganen verf., war Mitgl. des Geschichtsver. für Ktn. sowie des Österr. Archäolog. Inst. und erhielt u. a. 1935 das Komturkreuz des österr. Verdienstordens.

Weitere W.: s. u. Carinthia; Dolenz.
L.: Carinthia I, 131, 1941, H. 2, S. 250ff. (m. W.), 184, 1994, S. 138ff.; Denkschriften Wien, phil.-hist. Kl. 141, 1980, S. 179ff.; Kürschner, Gel.Kal., 1925; H. Dolenz, in: Wr. Prähist. Z. 27, 1940, S. 215f. (m. W.); W. Fresacher, in: Die Kunstdenkmäler des Benediktinerstiftes St. Paul im Lavanttal und seiner Filialkirchen, ed. K. Ginhart, 1969, S. 31; F. Dworschak, ebd., S. 270; R. Paulsen, ebd., S. 442ff.; G. Mossler, ebd., S. 446ff.; U. Burz, in: Schatzhaus Ktn. 900 Jahre Benediktinerstift 1, ed. H. Pucker, Klagenfurt 1991, S. 476ff. (Kat., m. B.); UA, Graz, Stmk.
(M. Pesditschek)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 62, 2010), S. 398
<=  S. 1 =>
<=  S. 1 =>