Stricker, Salomon (1834–1898), Mediziner

Stricker Salomon, Mediziner. Geb. Waagneustadtl, Ungarn (Nové Mesto nad Váhom, Slowakei), 1. 1. 1834; gest. Wien, 2. 4. 1898; mos., ab 1890 röm.-kath. Sohn eines Kaufmanns. – Nach Absolv. des evang. Gymn. in Pest (Budapest) sowie der Theresian. Akad. in Wien stud. S. ab 1852 Jus, ab 1853 Med. an der Univ. Wien. Bereits ab 1855 arbeitete er im physiolog. Inst. bei E. W. v. Brücke (s. d.); 1858 Dr. med., 1859 Dr. chir. 1859–62 Sekundararzt am AKH Wien, 1862 Habil. für Embryol. Ab 1863 war er Aspirant und i. d. F. Ass. an Brückes Inst., 1866 vervollkommnete er sein Wissen als Adjunkt für experimentelle Forschungen an der 2. med. Klink der Univ. Wien bei J. v. Oppolzer (s. d.). 1868 ao. Prof. für allg. und experimentelle Pathol. und Therapie, avancierte er im selben Jahr zum Leiter des für ihn gegr. Inst. für experimentelle Pathol., wo er bes. über Entzündungen forschte und sich krit. zu der von Julius Cohnheim vertretenen Entzündungslehre äußerte. 1873 wurde S. erster Ordinarius der neugegr. Lehrkanzel für allg. und experimentelle Pathol., die rasch zu einem weltweiten Zentrum der wiss. Lehre und Ausbildung wurde. 1883 erhielt er einen Hörsaal mit Projektionsmikroskop und Epidiaskop und führte Tierexperimente als festen Bestandteil im Unterricht ein. Zu seinen wiss. Leistungen zählten u. a. die Entdeckung der Diapedese der roten Blutkörperchen, experimentelle Forschungen über das Verhältnis der Zellen zur Grundsubstanz, die ersten Erkenntnisse über die Kontraktibilität der Gefäßwände und die Lokalisierung der Nervi splanchnici. Auch experimentierte S. auf den Gebieten der Psychol. und der Physik. Zahlreiche Publ., u. a. „Allgemeine Pathologie der Infectionskrankheiten“, 1886, unterstreichen seine Bedeutung. 1869–72 war S. Hrsg. des „Handbuchs der Lehre von den Geweben des Menschen und der Thiere“ und red. 1871–80 die „Medicinischen Jahrbücher der k. k. Gesellschaft der Ärzte“. 1875 k. M. der Akad. der Wiss. in Wien.

Weitere W.: s. u. Eisenberg; Inauguration; Kreuter; Wurzbach; Slovenský Biografický Slovník.
L.: NFP, 2. 2., 3., Neues Wr. Journal, 3. 4. 1898; Almanach Wien 48, 1898, S. 328ff.; Eisenberg 2 (m. W.); Hdb. jüd. AutorInnen; Inauguration Univ. Wien 1898/99, 1898, S. 11, 33ff. (m. W.); Kreuter (m. W. u. L.); Lesky, s. Reg.; M. Zsidó Lex.; Pagel (m. B.); Szinnyei; Wurzbach (s. u. Karoline S., m. W.); A. Fröhlich, in: WKW 11, 1898, S. 353; Münchner med. WS 45, 1898, S. 568f. (m. B.); WMW 48, 1898, S. 712f.; G. Kapsammer, ebd., S. 461ff.; A. Biedl, ebd., S. 911ff.; 30 Jahre experimentelle Pathol., Herrn Prof. Dr. S. S. zur Feier seines 25–jährigen Jubiläums, 1898 (m. W.); H. Wyklicky, in: WKW 97, 1985, S. 346ff. (m. B. u. L.); K. Holubar, in: The American Journal of Dermatopathol. 9, 1987, S. 147ff.; Slovenský Biografický Slovník 5, 1992 (m. W.); Personenlex. Österr., ed. E. Bruckmüller, 2001 (m. B.); Enz. Med.geschichte, 2005; Bez.gericht Döbling, UA, WStLA, alle Wien.
(D. Angetter)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 62, 2010), S. 401f.
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