Strobach, Franz (1837–1919), Unternehmer

Strobach Franz, Unternehmer. Geb. Schönau, Böhmen (Velký Šenov, Tschechien), 9. 7. 1837; gest. Groß-Schönau, Böhmen (Velký Šenov, Tschechien), 19. 5. 1919. Sohn eines Graveurs und Bauern, Vater von Josef S. (s. u.), Schwiegervater von F. J. Müller (s. d.); ab 1861 verehel. mit Maria Amalia Rusitschka (geb. Leopoldsruh, Böhmen / Velký Šenov-Lepoldka, Tschechien, 28. 3. 1839; gest. Schönau, 28. 2. 1899). – Nach seiner Wanderschaft, die ihn nach Wien zu J. E. v. Fischer-Rösslerstamm (s. d.) geführt hatte, wurde S. mit seiner Heirat Teilhaber der von seinem Schwiegervater um 1850 errichteten Bandwarenerzeugung in Leopoldsruh, die von seiner Frau geleitet, aber bald danach aufgelassen wurde. S. errichtete um 1871 die Steindruckerei Gravier-S. in Schönau mit den neuesten Maschinen für Buch-, Stein-, Offset- und Tiefdruck sowie einer Flachkartonagen- und Buntpapiererzeugung. Ab 1899 hieß die Fa. F. S. & Sohn. S.s Sohn Josef S. (geb. Leopoldsruh, 22. 11. 1870; gest. Bernburg/ Saale, sowjet. Besatzungszone/Dtld., 8. 1. 1947), der seine Ausbildung durch den Vater erhalten hatte, wurde 1919 Alleininhaber der Fa. Er war Gmd.- und Ortsschulrat sowie Bauobmann der 1907 errichteten Bürgerschule in Schönau. Bereits 1917 war dem Unternehmen die Pappefa. in Salmthal (Pstruží) angegliedert worden, in dem weiße und graue Pappen, Spezial-Filzpappen für Schwerkartonagen sowie Bierdeckel hergestellt wurden. 1926 erfolgte die Übernahme der Fa. Reichel & Ritschel, später umbenannt in Heliochroma, in Rumburg (Rumburk). In seinem Unternehmen, das mit modernen Einrichtungen für Photolithographie, Kunst- und Werbedruck sowie einer Buchbinderei ausgestattet war, wurden u. a. Landkarten und Bilderbücher produziert. Um 1940 beschäftigte man in Velký Šenov etwa 450 Mitarb., in Rumburg 170 und in Salmthal 80. Einen zweiten, kleineren Betrieb, den S. 1890 im sächs. Porschdorf gegr. und 1892 in die Oberlausitz nach Ebersbach verlegt hatte, übernahm i. d. F. sein Sohn Franz Stefan S. (geb. Leopoldsruh, 24. 12. 1866; gest. Ebersbach, Dt. Reich/Dtld., 13. 4. 1927), ein gelernter Lithograph. Dessen Schwiegersohn Alfred Ignaz Bärtel (1889–1941) wurde 1929 Geschäftsführer und 1937 Ges. der Fa. Der modern eingerichtete Betrieb erzeugte vorwiegend Knopf- und Musterkarten, Etiketten für die Oberlausitzer Knopfind. sowie Drucksachen. 1929 wurde er um eine Flachkartonagen-Erzeugung für bedruckte Faltschachteln erweitert. 1939 zählte man 200 Mitarb.

L.: J. Fiedler, Heimatkde. des polit. Bez. Schluckenau, 1898; Die Großunternehmen im Dt. Reich 7, 1944, S. 299, 401; E. Marschner, in: Unser Niederland. 23, 1971, F. 279/80, S. 73f. (m. B. von Franz u. Josef S.).
(I. Nawrocka)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 62, 2010), S. 410f.
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