Strobl von Ravelsberg, Ferdinand; Ps. R.A. v. Elsberg, Anatole Wacquant (1858–1914), Historiker und Offizier

Strobl von Ravelsberg Ferdinand, Ps. R. A. v. Elsberg, Anatole Wacquant, Historiker und Offizier. Geb. Sadska, Böhmen (Sadská, Tschechien), 27. 12. 1858; gest. Wien, 19. 8. 1914. Sohn des Mjr. im Dragonerrgt. 12 Ferdinand Strobl, der 1886 mit dem Prädikat Edler v. Ravelsberg nob. wurde. – Nach Besuch der Militärunterrealschule in St. Pölten, der Militäroberrealschule in Mähr. Weißkirchen (Hranice) sowie ab 1876 der Theresian. Militärakad. in Wr. Neustadt wurde S. 1879 als Lt. zum Dragonerrgt. 12 ausgemustert. 1884 Oblt., war er 1884–86 Rgt.adj. Nach einem Jahr Gen.stabsausbildung an der Kriegsschule in Wien wurde er krankheitshalber auf eigene Bitte enthoben, jedoch 1889 zum Gen.stab kommandiert und beim KA eingeteilt. 1889–92 besuchte er das Inst. für österr. Geschichtsforschung als ao. Hörer. 1891 Rtm. 2., 1895 Rtm. 1. Kl., wurde er 1896 dem Dragonerrgt. 8 zugeteilt, mußte aber 1902 neuerl. beurlaubt und 1905 i. d. R. versetzt werden. 1907 wurde er erneut reaktiviert. 1909 Mjr., 1911 pensioniert. S.s zweibändiges Hauptwerk, „Metternich und seine Zeit 1773–1859“ (1906–07), befaßt sich mit der Kulturgeschichte der Ära Metternich und enthält zahlreiche biograph. und genealog. Ausführungen zu Persönlichkeiten aus ganz Europa. Neben biograph. Stud. publ. er v. a. zur Militärgeschichte des 19. Jh. Vermutl. im Auftrag des KA hatte er die im Zeitalter des Dualismus heikle Aufgabe, den Feldzug von 1848/49 darzustellen. Dabei nahm er in der Monographie „Die ungarische Donau-Armee 1848/49“ (1900 unter dem Ps. Anatole Wacquant, 1908 unter eigenem Namen publ.) den „österreichischen“ militärhistoriograph. Standpunkt ein, indem er den Feldherrn der Honvédarmee von 1848, Arthur Görgey v. Görgö und Toporcz (s. d.), gegen das damalige revolutionäre Landesverteidigungskomitee unter L. Kossuth v. Udvard und Kossut (s. d.) zu verteidigen versuchte. S. wurde 1908 mit dem Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens ausgez.

Weitere W.: s. u. Broucek – Peball. – Nachlaß: KA, Wien.
L.: WZ, 25. 8. 1914; Carinthia I, 106, 1915, S. 83; Lhotsky, Inst., s. Reg.; MIÖG 36, 1915, S. 223; Santifaller, s. Reg.; Svoboda; P. Broucek – K. Peball, Geschichte der österr. Militärhistoriographie, 2000, S. 613f. (m. W.); AVA, KA, beide Wien.
(P. Broucek)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 62, 2010), S. 417
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