Strobl, Joseph (1843–1924), Germanist und Bibliothekar

Strobl Joseph, Germanist und Bibliothekar. Geb. Wien, 6. 8. 1843; gest. Burg Kreuzenstein bei Leobendorf (NÖ), 9. 10. 1924; röm.-kath. Sohn eines Buchbindermeisters. – Nach Absolv. des Schottengymn. stud. S. 1861–65 Sprachwiss. mit Schwerpunkt Germanistik in Wien und 1870 in Berlin. Danach unterrichtete er Dt., Geographie und Geschichte an der höheren landwirtschaftl. Lehranstalt Francisco-Josephinum in Mödling. Nach dem Tod seines Lehrers F. Pfeiffer (s. d.) gab er gem. mit Karl Bartsch die Jgg. 1869 und 1870 der Z. „Germania“ heraus. 1875 ao. Prof. für Dt. Sprache und Literatur an der neugegr. Univ. Czernowitz, 1877 Dr. h. c.; 1878 o. Prof., 1878–81 Mitgl. des akadem. Senats, 1881/82 Dekan und 1882/83 Prodekan. Den Schwerpunkt seiner wiss. Arbeit bildete die Hrsg. mittelhochdt. Texte, darunter der zweite Bd. der bis heute grundlegenden Gesamtausg. der Predigten Bertholds v. Regensburg (1880) und eine Teiled. der Werke Heinrichs v. Neustadt (1875). Einzeluntersuchungen widmete er der Entstehungsgeschichte des Nibelungenlieds (1911) und der literar. Tätigkeit K. Maximilians I. (1907, 1913). Nach seiner vorzeitigen Emer. 1892 arbeitete S. bis zu seinem Tod als Bibliothekar für Hans Gf. Wilczek auf Burg Kreuzenstein, wo er dessen umfangreiche Smlg. mittelalterl. Hss. inventarisierte.

Weitere W.: s. u. Norst; Lackner; Internationales Germanistenlex.
L.: NFP, 12. 9. 1875; Kosch; Wurzbach; A. Norst, Alma mater Francisco-Josephina. FS ..., 1900, S. 41 (m. W.); H. Wilczek erzählt seinen Enkeln Erinnerungen aus seinem Leben, ed. E. Kinsky-Wilczek, 1933, s. Reg.; K. Rein, in: Alma Mater Francisco Josephina. Die dt.sprachige Nationalitäten-Univ. in Czernowitz, ed. R. Wagner, 1975, S. 148ff.; F. Lackner, in: Codices Manuscripti 27/28, 1999, S. 11, 13 (m. W.); Internationales Germanistenlex. 1800–1950, 3, 2003 (m. W.); UA, Wien.
(R. Schöller)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 62, 2010), S. 415f.
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