Ströhmer, P. Ludwig (Gustav) (1819–1867), Geistlicher und Politiker

Ströhmer P. Ludwig (Gustav), OSB, Geistlicher und Politiker. Geb. Linz (OÖ), 17. 2. 1819; gest. Seitenstetten (NÖ), 27. 11. 1867; röm.-kath. Sohn eines Perückenmachers. – S. besuchte das Gymn. in Linz sowie in Seitenstetten und stud. bis 1839 Phil. und Theol. in Linz. Im Anschluß daran trat er bei den Benediktinern in Seitenstetten ein und vervollkommnete sein Stud. der Theol. in Melk. 1844 Priesterweihe, danach war S. Katechet in der Volksschule und Kaplan in Seitenstetten, wurde 1845 Kustos des Mineralienkabinetts, 1847 Konviktspräfekt, 1850 Lehrer am Stiftsgymn. und 1852 Abt. Durch Sanierung der Finanzen des Stifts ermöglichte S. großangelegte Restaurierungsarbeiten, u. a. wurden das Innere der Stiftskirche, alle Stiftsfassaden und die seit dem Barock unvollendete Kirchenfassade fertiggestellt, der Kirchturm erhöht und mit einer neuen Haube versehen. 1860 bereitete S. die Erweiterung des Seitenstettner Stiftsgymn. zum Obergymn. vor, wobei Lehrmittel und physikal. Apparate angeschafft und die Bibl. ergänzt wurde. Obwohl S. im Gegensatz zu den meisten seiner Amtskollegen für die von Rom geforderte Gründung einer österr. Benediktinerkongregation eintrat, übergab er im Namen der österr. Benediktineräbte 1858 dem Papst eine Bittschrift, in der die freie Abtwahl, der Übertritt in ein anderes Ordenshaus nur mit Erlaubnis der Oberen und das Verbleiben des Stiftungsvermögens bei den einzelnen Häusern erbeten wurden. Damit reagierten die österr. Äbte auf die Apostol. Visitation von 1852 und die Absichten Roms, eine österr. Benediktinerkongregation zu gründen und das Klosterleben im antijosephin. Geist zu erneuern. S. war Mitgl. der Landwirtschaftsges. in Wien, des Landwirtschaftl. Bez.ver. Seitenstetten und regte die Gründung eines Kath. Gesellenver. an. 1867 war er Abg. im Nö. LT.

L.: Wurzbach; G. Friess, in: Programm des k. k. Gymn. zu Seitenstetten, 1868, S. 45ff.; P. C. Wolfsgruber, in: Stud. und Mitt. aus der Geschichte des Benediktiner-Ordens und seiner Zweige 33 (NF 2), 1912, S. 109ff., 296ff., 525ff., 677ff.; P. M. Riesenhuber, Die Abteikirche zu Seitenstetten …, 1916, S. 51ff.; P. P. Ortmayr – P. Ae. Decker, Das Benediktinerstift Seitenstetten, 1955, S. 312ff.; Seitenstetten. Udalschalks Erbe im Wandel der Zeit, red. P. B. Wagner, 1980, S. 77f., 244f.; ders. – H. Fasching, Stift Seitenstetten und seine Kunstschätze, 1988, S. 66ff. (m. B.); O. Krause, Biograph. Hdb. des NÖ LT 1861–1921, 2005; P. A. Plappert, Das Benediktinerstift Seitenstetten, 2. Aufl. o. J., S. 45ff., 63f.; Stiftsarchiv Seitenstetten, NÖ.
(J. Tisch)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 62, 2010), S. 418f.
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